“Auf der Jagd”

Bild der 25. Woche - 23. bis 29. Juni 2008

Jägerpaar vor Architektur- und Baumkulisse, um 1765 Johann Christian Friedrich Wilhelm Beyer zugeschrieben Ludwigsburger Porzellan Manufaktur, Höhe 32,8 cm aus der Sammlung Jansen Foto: Marion Mennicken, RBA Köln
Detailaufnahme

Im Verlauf des Mittelalters war die Jagd zu einem Privileg des Adels geworden. Alle anderen waren “Wilderer”, denen drakonische Strafen drohten, wenn sie auf der Jagd gestellt wurden. Dieses Jägerpärchen aus Porzellan sieht wahrlich nicht so aus, als lebe es in der Angst, jeden Moment bei etwas Verbotenem ertappt zu werden. Allein schon aufgrund der Kleidung und “anmutigen Haltung” ist klar, dass es sich um ein adeliges Paar handelt und nicht um Dienstboten oder sonstige einfache Leute. Und anders als bei der Magd mit Mohr in der Vorwoche (s. BdW 24/2008) erzählt dieses Werk in einer Bildfolge die Geschichte eines Liebeswerbens mit eindeutig positiven Ausgang. Hier schwört der Jäger seiner Angebetenen unter einer Eiche mit auffallend prachtvoller Laubkrone “ewige” Liebe. Die Eiche – von Alters her ein Sinnbild der Standhaftigkeit und Dauerhaftigkeit – unterstreicht dabei symbolisch die Liebesschwüre. Gekrönt wird die Komposition durch die Darstellung eines Fauns im Geäst des Baumes. Auf der Panflöte spielend ist der Gefährte aus dem Gefolge des Dionysos ein Sinnbild für die “Kräfte der Natur”. Bei genauerem Hinschauen erzählt die Darstellung in chiffrierter Form (aber für die Zeitgenossen durchaus deutlich) in der Abfolge von links nach rechts augenzwinkernd die Liebesgeschichte der beiden: Das erste zaghafte Werben wird anschaulich verdeutlicht durch den neben dem Jäger verharrend liegenden Hund. Bei der eigentlichen Werbung selbst deutet der Jäger mit seiner rechten Hand auf sein Herz. Die schöne Jägerin dagegen ist überaus wohlwollend gestimmt und streichelt freundlich den leckenden Hund, der sie “bespringt”. Dass das Liebeswerben letztendlich von Erfolg gekrönt sein wird, bestätigt die im Geäst hinter den beiden hängende, erlegte Hirschkuh mit einem feinen Lächeln “auf den Lippen” (s. Detail).

B. CleverR. Jansen