Doppelte Cäcilie

Bild der 30. Woche - 28. Juli bis 3. August 2008

Hl. Cäcilie mit Stifterinnen der Aachener Schöffenfamilie Bock/Bouch um 1528, Glasmalerei, H: 69, B: 67 cm vermutlich aus einer Kirche in Aachen und Umgebung (evtl. Schwarzenbroich) Köln, Museum Schnütgen, M 706

Zeitgleich mit der bedeutenden Ausstellung "Rheinische Glasmalerei. Meisterwerke der Renaissance", die 2007 im Museum Schnütgen zu sehen war, konnte aus dem Londoner Kunsthandel eine rheinische Glasmalerei aus dem ersten Viertel des 16. Jahrhunderts erworben werden. Unter einem flachen Bogen mit Renaissance-Ornamentik sieht man einen Innenraum mit Ausblick in eine weite Landschaft und der hl. Cäcilie mit  ihrem Attribut, der Orgel. Die Heilige legt empfehlend ihre Hand auf die Schulter einer vor ihr knienden Dame, die sowohl durch ihr Wappen mit reicher Helmzier als auch durch die Beischrift "Cäcilie bonk sin eelige husfruwe" zu identifizieren ist. Hinter ihr knien ihre Töchter. Die Beischrift weist darauf hin, dass in einer leider verlorenen, einst gegenüber liegenden Scheibe der Ehemann der Stifterin, wahrscheinlich mit den Söhnen der Familie, dargestellt war. Manfred Huiskes vom Historischen Archiv der Stadt Köln, konnte das Wappen der Stifterin entschlüsseln. Das Wappen ist wohl als das der Aachener Schöffenfamilie Bouch oder Bock anzusehen. Eine Cäcilie Bock, die 1528 mit ihrer Unterschrift unter einen Vertrag zusammen mit ihrem Ehemann Alof (=Adolf) van den Anstelen auftaucht, dürfte mit der Dargestellten identisch sein. Die Familie Bock könnte im Aachener Umland gestiftet haben. Auch hier sind umfassende Bestände im Zuge der Säkularisierung weitgehend zerstreut worden und zum Teil nach England gelangt. In den Londoner Handel kam die Cäcilienscheibe erst kürzlich aus dem großen Verkauf des Welfenhauses in Schloss Marienburg im Jahr 2005.
Die Ausstellung Rheinische Glasmalerei. Meisterwerke der Renaissance" hat erstmals eine Fülle an Material zur Glasmalerei aus dieser Zeit bereitgestellt, das viele weitere Forschungen zur Kölner Kunst um und nach 1500 ermöglicht. Dazu wird auch die genauere Lokalisierung und Erforschung der Stifterinnenscheibe mit der hl. Cäcilie gehören. Schon jetzt kann sich das Museum jedoch über die erste repräsentative Darstellung der Patronin der Cäcilienkirche freuen.

H. Westermann-Angerhausen