Bild der 20. Woche - 19. bis 25. Mai 2008

Aquamanile in Form eines Löwen 2. Hälfte 13. Jh., Rhein-Maas-Gebiet Bronze, H: 21.6, B: 23 cm Köln, Museum Schnütgen, H 45

Im Frühjahr 2007 konnte das Museum Schnütgen während der Maastrichter Kunstmesse eine Entdeckung sichern, welche seine Sammlung liturgischer Geräte in besonderer Weise bereichert. Ein kleines Kunstwerk, das erfreulicherweise wieder seinen Weg nach Köln gefunden hat, denn es stammt ursprünglich aus dem Besitz des Kölner Sammlers Leopold Seligmann, der sich gerne vom ersten Direktor des Museum Schnütgen, Fritz Witte, beraten ließ. Das Aquamanile (Gießgefäß) zeigt die Form einer kleinen Löwengestalt mit stilisiertem Mähnenkranz. Der kleine lebhafte Löwe mit aufgestellten Ohren richtet, scheinbar in freudiger Erwartung, seinen Kopf aufmerksam nach oben. Er hat einen zierlich schlanken Körper und einen ornamental geformten Schwanz, dessen Verlängerung nach oben zugleich als Handhabe zum Gießen dient. Der Ausguss des Gefäßes befindet sich im Maul des Löwen. Das Aquamanile ist wahrscheinlich in Niedersachsen in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts gegossen worden. Der handwerklich sehr sorgfältige Guss (nur das rechte Vorderbein ist aufgrund einer alten Beschädigung repariert) lässt sich mit einer Reihe von niedersächsischen Exemplaren vergleichen, die allerdings durchweg größer und schwerer sind. Die geringere Größe und zierliche Gespanntheit des Gießlöwen macht zugleich seinen Reiz aus. Es ist ein stilvoller Luxusgegenstand, der ebenso für den privaten als auch für den liturgischen Gebrauch gemacht worden sein kann. Aquamanilien in Form von kleinen Tierfiguren, auch von Drachen oder gelegentlich von Menschenköpfen finden sich seit dem 12. Jahrhundert immer häufiger in der westeuropäischen Kunst. Sie zeigen den Einfluss, den die hoch stehende Alltagskultur der islamischen Länder auf die eher einfachen Lebensgewohnheiten der Kreuzfahrer gehabt hat. Figürliche Gießgefäße dienten in den Hochkulturen des Vorderen Orients bei Tisch vornehmlich zur Handwaschung, die ja im Rahmen von gemeinsamen Mahlzeiten und als Zeichen von Gastfreundschaft einen besonderen Stellenwert hatte. Der Brauch findet durch den "zivilisierenden" Einfluss der Kreuzzüge alsbald Eingang in die ritterlich-höfische Kultur Europas. Zahlreich haben sich Aquamanilien vor allem aus Kirchenbesitz erhalten, denn sie wurden auch zur rituellen Handwaschung des Priesters vor dem Eintritt in den eucharistischen Teil der Messe benutzt. Durch die Kunstfertigkeit des Gerätes, das beim Gebet "Lavabo inter innocentes manus meas" ("Ich wasche meine Hände in Unschuld", Ps. 25, 6 - 12) zum Einsatz kam, erhielt natürlich auch die Handlung des Händewaschens selbst eine größere Würde.

H. Westermann-Angerhausen