Das alte Köln

Bild der 43. Woche - 22. bis 29. Oktober 2001

Der "Spanische Bau", Fotografie, vor 1873; 19,6 x 25,1 cm, Kölnisches Stadtmuseum, Graphische Sammlung A I 3/786

Der heute offene Rathausplatz ist ein Ergebnis der Zerstörungen des 2. Weltkriegs. Bis in die Neuzeit hatte der Platz ein geschlossenes Aussehen wie dieses Foto zeigt -, besonders durch die drei Tore an den auf den Platz mündenden Straßen. Diese von Schildwachen bewachten Pforten sollten der militärischen Sicherung des Platzes dienen, standen aber seit dem frühen 17. Jahrhundert stets offen. Schon im 19. Jahrhundert hatte man allerdings damit begonnen, den einstmals abgeschlossenen Platz durch Niederlegungen alter, kleiner Gebäude, durch Neubauten usw. zu vergrößern - ihm sein historisches Aussehen zu nehmen und ein historisierendes zu geben. Die Tore fielen zwischen 1861 und 1875 dem Verkehr zum Opfer. Vor Kriegsbeginn waren außer dem historischen Rathaus nur noch Ratskapelle und Spanischer Bau alter Baubestand. Nach Vertreibung der Kölner Juden im Jahre 1424 war der gesamte jüdische Besitz, der sich auf das Rathausviertel konzentriert hatte, an die Stadt Köln gefallen, die hier neben der neuen Ratskapelle vornehmlich Verwaltungsbauten (Kanzlei, Registratur, Archiv, städtische Gerichte) errichten ließ. Etwa 1605 beschloss man einen Neubau im Stil der niederländischen Spätrenaissance, der auch für größere Versammlungen geeignet war. Der Bau, die bedeutendste städtische Bauschöpfung des 17. Jahrhunderts in Köln, für den der städtische "Umlauf" (= Stadtarchitekt) Matthias von Gleen verantwortlich zeichnete, schritt nur langsam voran, noch 1644 wurden Änderungen für das Obergeschoss beschlossen. Die untere Halle wurde offen konzipiert, da hier das Bürgermeistergericht tagte. 1829 wurden die fünf offenen Bogenöffnungen mit Eisengittern verschlossen. Seinen Namen "Spanischer Bau" erhielt das Gebäude von den Sitzungen des Kompositionstages der Spanischen Liga im August 1623, die von Frankfurt/M. nach Köln verlegt worden waren. In den städtischen Akten wird er aber bis ins 19. Jahrhundert hinein nur als "Neuer Bau" oder "Freitagsrentkammer" (die sich hier seit 1658 befand) bezeichnet. Nach dem Ende der freien Reichsstadt diente der "Spanische Bau" als Sitz verschiedener Gerichte - in preußischer Zeit residierte hier zunächst der rheinische Appellationshof -, später zu verschiedenen Verwaltungszwecken und bis 1854 auch für Gemeinderatssitzungen, dann als Ausstellungslokal der Glasgemäldesammlung des Melchior Boisserée, von 1866 bis 1889 als Archiv. 1873 beschloss die Stadtverordentenversammlung den Neubau eines Bibliothekgebäudes an der neuen Portalsgasse, wodurch die Gebäudelänge des "Spanischen Baus" um 1,50 m verkürzt wurde. 1885/6 erfuhr der Bau einen so grundlegenden Umbau, dass nur das Erdgeschoss in seinen Grundzügen erhalten blieb. Ganz links erkennt man noch das Tympanon mit den beiden das Stadtwappen haltenden Engeln (heute Museum Schnütgen), welches zur Ratskapelle führte.

R. Wagner