Startschuss

Bild der 41. Woche - 8. bis 15. Oktober 2001

Das neue Informationssystem im Wallraf-Richartz-Museum - Fondation Corboud: Blick in die Galerie und Screenshots

Nach mehrjähriger Arbeit ist es nun soweit : am 13. 10. 2001 wird das EDV-gestützte Informationssystem des Wallraf-Richartz-Museum - Fondation Corboud den Museumsbesuchern zur Benutzung übergegeben. Wenn Sie diesen Satz lesen, werden Sie vielleicht denken: die Formulierung suggeriert den Beginn von etwas Außergewöhnlichem, sie scheint jedenfalls mit Blick auf die vielen, bereits bestehenden Informationssysteme in Museen der Sache nicht ganz angemessen. Dass es sich bei diesem Informationssystem jedoch um ein Projekt mit eigenem Stellenwert handelt, dass man vielleicht sogar vom Beginn einer neuen Form der Museumsdidaktik in Gemäldegalerien sprechen kann, wird deutlich, wenn das System im Folgenden näher dargestellt wird. Entscheidend für Konzeption, Struktur und Inhalt des neuen Infosystems ist die Tatsache, dass die Informationsangebote in der ständigen Sammlung der Gemäldegalerie angeboten werden, also in unmittelbarer Nähe zu den Originalen. Dies ist zunächst für Gemäldegalerien neu. Alle bekannten Gemäldegalerien bieten EDV-gestützte Information in separaten Räumlichkeiten an. Hier haben die Besucher Ruhe und Muße, sich recherchierend der Kunst zu nähern. Vor den Originalen ist ein solcher, auf eine große Werkmenge bezogener, auf die eigene Recherche ausgerichteter Zugang jedoch nicht möglich. Der Aufstellungsort verlangt nach einer deutlichen Beziehung zwischen der abrufbaren Information und den konkret zu sehenden Kunstwerken. Ab einer gewissen Entfernung zwischen Infosystem und Kunstwerk ist eine derartige Beziehung nicht mehr zu realisieren. Hieraus resultiert also die Konsequenz, dass es eine größere Zahl von Informationseinheiten in den Räumlichkeiten des Museums bedarf - im Wallraf-Richartz-Museum sind es 24 derartige Stationen. Dem angestrebten Ziel, dem Museumsbesucher die Kunst näherzubringen, würde ein System widersprechen, das die Augen des Nutzers an einen Bildschirm bindet. Konsequenterweise sollte ein Informationssystem in den Ausstellungsräumen des Museums also hör- und nicht lese-orientiert sein. Andererseits kann man über das Bild sehr viel anschaulicher und umfassender Informationen vermitteln, als dies über Ton möglich ist. Das Informationssystem des Wallraf-Richartz-Museum wurde daher hör-orientiert mit zusätzlichen Bildinformationen umgesetzt. Ein in ein Sitzmöbel integrierter Bildschirm (s. Bild) ergänzt den über Kopfhörer wahrzunehmenden Ton durch Bildschirmabbildungen. Hierbei wird im gehörten Text auf die Bildschirmdarstellung hingewiesen, damit niemand, der den Blick dem Original zuwendet, eine Bildinformation aus Versehen verpaßt. So entwickelt sich an jeder Informationsbank eine - museumsdidaktisch gesehen - spannende Interaktion des Benutzers zwischen Gerät und Original. Der Text verweist auf das Original, der Bildschirm stellt Vergleichsbeispiele vor und der Benutzer tritt interagierend zwischen das Informationssystem mit der aufgenommenen Information und der von ihm selbst wahrgenommenen Realität des Originals. Die Auswahl, zu welchem Werk er Informationen möchte, trifft der Nutzer durch Markieren einer Abbildung des gewünschten Kunstwerkes. Was dann nach einer weiteren Auswahl zwischen Lang- und Kurzfassung folgt, ist ein im Schnitt 3 bzw. 6,5 Minuten langer, multimedial aufbereiteter Vortrag. Die Benutzerführung ist weder durch Touchscreen noch durch Maus realisiert, sondern bietet nur vier Tasten an: Rechts, Links, OK und Abbruch. Hiermit wird nicht nur der mutwillige oder versehentliche Eingriff ins System verhindert, auf diese Weise wird auch wenige Computererfahrenen eine reibungslose Benutzung ermöglicht. Da das gesamte System in Html und Javascript realisiert ist, ist die Pflege relativ schnell und einfach durchführbar. Dies ist deshalb von besonderer Bedeutung, da das Informationssystem so konzipiert ist, dass die Infostationen in bestimmten Zeitintervallen im Haus versetzt werden können, um Informationen zu anderen Werken anzubieten. Zusätzlich können die Informationen jeederzeit um thematische Angebote (z. B. an allen Stationen Informationen zur Mode im Bild) erweitert werden. In der ersten Ausbaustufe behandelt das Informtionangebot ca. 100 Werken von 61 Künstlern mit einer Gesamtdauer von 15 Stunden. Es zeigt über 2300 Vergleichsabbildungen sowie 20 größere Animationen. Das Informationssystem des Wallraf-Richartz-Museums - Fondation Corboud ist also keine vom Museumsbesucher benutzbare Datenbank - für deren Recherche er notwendiger Weise Vorkenntnisse mitbringen muß -, es handelt sich vielmehr um ein EDV-gestütztes, multimediales Führungssystem.

T. Nagel