Von Seilen und anderen Kabeln

Bild der 38. Woche - 17. bis 24. September 2001

Seilerei Felten & Guilleaume, Im Rosenthal, Kartäuserwall, Wilhelm Scheiner, Köln, 1866, Kopie von Jakob, Scheiner, Köln-Deutz, 1909, Aquarell, 43,8 x 60,9 cm Kölnisches Stadtmuseum - Graphische Sammlung HM 1908/509 = A I 3/1051

Die Unternehmungsgeschichte von Felten und Guilleaume, eines der traditionsreichsten Kölner Unternehmen, beginnt im 17. Jahrhundert, als die Kölner Seilermeister Felten in der freien Reichsstadt bereits zu den angesehensten Produzenten ihrer Zunft gehörten. 1826 gründeten Johann Theodor Felten und sein Schwiegersohn Franz Carl Guilleaume d. Ä. das Kölner Unternehmen "Felten et Guilleaume" (F & G). 1827 kaufte das Unternehmen am Kartäuserwall das Gut "Rosenthal", um dort Hanfhandgespinste, Seilerwaren und Tauwerk herzustellen. Außerdem wurde eine Weizenstärkefabrik errichtet. Deutlich erkennt man auf dem Aquarell noch die Stadtmauer mit dem überdachten Wehrgang, rechts den Turm der Kartäusermühle und gleich hinter der Fabrik die Kirche St. Maria in der Schnurgasse. Der Blick zwischen den Schornsteinen hindurch zeigt das Langhaus und den Dachreiter des noch unvollendeten Domes.. Von entscheidender Bedeutung für die weitere Entwicklung von F & G war die Erfindung des Telegraphen im Jahre 1850 gewesen. Im Folgenden spezialisierte man sich u. a. auf die Produktion von Telegraphenkabeln und Drahtseilen. 1867 wurde die Seilproduktion mechanisiert, 1872 erfolgte eine Betriebstrennung: Die Hanfproduktion blieb in der Kölner Südstadt, die neue aufstrebende Drahtabteilung zog 1874 in das neu errichtete und nach seinem Begründer Franz Carl Guilleaume (1834 - 1888) benannte "Carlswerk" nach Mülheim/Rh. Hier wurden neben Drahtwaren Kabel, Kupfer und technische Gummiapparate für den Telegraphenbau, Starkstromkabelnetze und Fernsprechapparate hergestellt. Um die folgende Jahrhundertwende war F & G der größte Kölner Arbeitgeber, allein im Carlswerk arbeiteten 6000 Menschen.

G. SelimT. Nagel