Ein barocker Lebemann auf dem Kölner Bischofsstuhl

Bild der 33. Woche - 14. bis 21. August 2000

François Rousseau (Bonn, um 1717 - 1804), Kurfürst Clemens August bei der Falkenjagd, um 1755, Supraporte; Leinwand; 92 x 152 cm, Kölnisches Stadtmuseum, Inv.Nr. KSM 1983/643

Eine Würdigung zum 300. Geburtstag des Kölner Kurfürsten Clemens August Der Reiter auf dem sich aufbäumenden weißen Pferd ist der Kölner Kurfürst Clemens August, der mit einer Jagdgesellschaft zur Falkenjagd aufbricht. Von der Dachterrasse des Schlösschens Falkenlust (seit 1729 von François de Cuivilliés als Maison de plaisance errichtet) schauen ihm seine Gäste zu. Am rechten Bildrand ist Schloss Augustusburg zu erkennen, dahinter der Turm der Brühler Margarethenkirche sowie die Franziskaner- bzw. Schlosskirche und das Indianische Haus. Am 16. August vor 300 Jahren wurde Clemens August, Herzog von Bayern, Kurfürst und Erzbischof von Köln als 4. Sohn von Max II. Emanuel von Bayern und Therese Kunigunde Sobieska von Polen geboren. Seine kurze 'Studienzeit' in Rom fand 1719 ein abruptes Ende, als man ihn anstelle seines verstorbenen Bruders Philipp Moritz zum Fürstbischof von Münster und Paderborn wählte. 1723 folgte er seinem Onkel Joseph Clemens im Amt des Kölner Erzbischofs und Kurfürsten nach. 1724 fiel auch Hildesheim an ihn. Ein Jahr später erhielt er dann die Priesterweihe, zwei weitere Jahre später 1727 in Viterbo die Bischofsweihe durch den Papst. 1728 übernahm er schließlich noch das Bischofsamt des Bistums Osnabrück.1732 wurde er zum Hochmeister des Deutschen Ordens gewählt. Er starb am 6. Februar 1761 in Ehrenbreitstein. Clemens Augusts Politik lavierte zwischen Bayern und Frankreich auf der einen Seite und Österreich und den Seemächten auf der anderen. Er unterstützte seinen Bruder Karl Albrecht bei der Kaiserwahl gegen die Habsburger. Der für den Krönungsakt zuständige Mainzer Kurfürst trat seinem Kölner Kollegen und Kaiserbruder dieses Mal das Recht ab, den neuen Kaiser Karl VII. (1742 - 1745) im Frankfurter Dom zu salben. Bald darauf wechselte Clemens August jedoch auf die Seite der Habsburgerin Maria Theresia. Die großen Mächte honorierten die unstete Politik Clemens Augusts - der "Wetterfahne des Deutschen Reiches" - mit Subsidien, wodurch ihm sein glanzvolles Hofleben nach französischem Vorbild erleichtert wurde. Clemens August war ein Mäzen der Künste, bekannt ist er als Bauherr zahlreicher Schlösser - wie hier von Falkenlust und Augustusburg. Nach seinem Tode hinterließ er so viele Schulden, dass anschließend sein ganzer Nachlass und als erstes seine Kunstsammlung versteigert werden musste. Zeit seines Lebens war Clemens August, dem durchaus eine tiefe, persönliche Frömmigkeit zu eigen war, den weltlichen Dingen sehr zugetan. Neben seiner Leidenschaft für Kunst und Architektur widmete er sich gerne der Musik, seine besondere Liebe aber gehörte der Jagd (der spanische Philosoph Ortega y Gasset nannte ihn gar "den großen Jäger") und hier besonders der Falkenjagd. Diese Sportart war mit hohem Aufwand verbunden und wurde nur vom hohen Adel betrieben. Speziell abgerichtete Falken jagten hier Reiher und Milane, ohne sie jedoch zu töten. Die erbeuteten Tiere wurden beringt und wieder in die Freiheit entlassen. Die wertvollsten Falken verschenkte der dänische Königshof, der ausgewählten Potentaten, darunter auch Clemens August, jährlich Falken aus Grön- und Island zukommen ließ. Die Gegend um Brühl war für die Jagd mit dem Falken besonders gut geeignet. Das kleine Jagdschloss Falkenlust lag in der Flugbahn der Reiher von den Rheinauen zur Ville. Im Schlosspark wurden darüber hinaus Nester eingerichtet, um Reiher und Milane anzuziehen. Allen Jagdvergnügungen wohnten immer eine große Anzahl Personen bei, die die Jäger als Zuschauer begleiteten und ihnen beim Jagd-Picknick Gesellschaft leisteten.

R. Wagner