Kanonenpost für Neuß

Bild der 27. Woche - 3. bis 10. Juli 2000

Das Kölner Entsatzheer 1475 vor Neuss (1582), Ölgemälde von Arnold Colyns, 192 x 227 cm, Kölnisches Stadtmuseum KSM 1987/502

Dargestellt auf diesem Gemälde ist das Kölner Feldlager "auf den Steinen" vor Neuss im Frühjahr 1475. Karl der Kühne (1433 - 1477), Herzog von Burgund, bedrohte im Sommer 1474 den Niederrhein, um sich das seinen nördlichen Besitzungen benachbarte Kurfürstentum Köln einzuverleiben. Seine erste Stossrichtung galt im Juli 1474 Neuss, der nach Köln stärksten Festung am Niederrhein. Denn hätte er erst Neuss und Bonn in seinen Händen, glaubte er, auch das starke Köln in die Knie zwingen zu können. Fast ein Jahr lang - von August 1474 bis Juni 1475 - lagen der Herzog und sein Heer vor Neuss. Noch vor dem Angriff hatten die Neusser nach Köln um Hilfe geschickt. Auch Kaiser Friedrich III hatte Unterstützung versprochen. Schon im November, als die Belagerung die Neusser immer schwerer bedrückte, waren aus Köln 600 Kriegsknechte zu Hilfe geeilt. Auf kaiserliches Gebot hin entsandte die Stadt Köln schließlich im Februar ein starkes Aufgebot von 2000 Mann, das am 18. Februar sein Feldlager "auf den Steinen" aufschlug. Weitere 2000 Kölner und eine erste kaiserliche Schar folgten wenige Tage später. Mitte März aber machte sich unter den Kölner Handwerkern, die einen bedeutenden Teil der Truppen stellten, die mangelnde Kriegslust und -erfahrung bemerkbar, sie desertierten in die Heimat. Da zudem auch die Söldner scharenweise meuterten, blieben am Ende noch 700 Mann des Kölner Kontingents übrig. Zwischenzeitlich hatten die Burgunder die Stadt Neuss so fest in ihre Umklammerung genommen, dass jeder Kontakt nach draußen unmöglich geworden war. Den Kölnern gelang es jedoch, in Kanonenkugeln Briefe nach Neuss zu schießen und die Eingeschlossenen mit aufmunternden Nachrichten über alles, was zu ihrem Entsatz unternommen wurde, zu versorgen. Die Neusser kratzten ihr letztes Pulver zusammen und dankten ihrerseits mit Kugelbriefen. Endlich erreichte am 23. Mai 1475 das lang erwartete Reichsheer den Kriegsschauplatz, nachdem man sich zuvor wochenlang in und bei Köln gesammelt hatte. Fünf Tage später verhandelten das Reich und Burgund einen Waffenstillstand. Eine der Kriegsfolgen war die Hochzeit zwischen der Erbtochter Karls des Kühnen, Maria von Burgund, und dem Kaisersohn Maximilian von Habsburg im selben Jahr. Arnold Colyns malte 1582 im Auftrag der Kölner Buntwörter (Kürschner) Schlachtenszenen für deren Gaffelhaus, darunter dieses Bild von der Belagerung der Stadt Neuss. Von den neun Bildern, die die Familie Herstatt, die vermutlich das Buntwörter-Gaffelhaus erworben hatte, 1813 an die Schulverwaltung verkaufte, bewahrt das Kölnische Stadtmuseum heute noch sechs auf, darunter fünf aus der von Colyns gemalten Serie.

R. Wagner