Zum 150. Todestag eines kölschen Kölners

Bild der 45. Woche - 8. bis 15. November 1999

Matthias Joseph De Noël - Selbstbildnis (um 1820), Öl auf Holz; 60 x 43,5 cm, Kölnisches Stadtdtmuseum HM 1930/559
Johann Anton de Peters - Bildnis des Ferdinand Franz Wallraf, Öl auf Leinwand, 75,5 x 59,5 cm, Wallraf-Richartz-Museum, Köln, WRM 1078

Matthias Joseph De Noël ist heute den meisten Kölnern am ehesten noch als einer der Mitbegründer des romantischen Karnevals bekannt. Aber für die Geschichte der Stadt von ebenso großer Bedeutung ist sein Wirken als Nachlassverwalter seines großen Vorbilds Ferdinand Franz Wallraf (1748 - 1824), des Begründers des kölnischen Museumswesens. De Noël wurde 1782 in Köln als Sohn des Kaufmanns Johann Heinrich De Noël und der Maria Helena geb. Krakamp, einer Tochter des Kölner Stadtbaumeisters, geboren. Schon früh wurde sein künstlerisches Talent erkannt und gefördert, eine erste künstlerische Ausbildung erhielt er bei Caspar Benedikt Beckenkamp (1747 - 1828) und Egidius Mengelberg (1770 - 1849). Nach einem Paris-Aufenthalt mit seinem Lehrer Caspar Arnold Grein (1764 - 1835) begann er 1803 aber eine kaufmännische Lehre in Neuss, bevor er erneut eine Studienreise, dieses Mal nach Utrecht, antreten konnte. Da erkrankte der Vater ernst- und dauerhaft und der junge De Noël musste das väterliche Warenmaklergeschäft übernehmen. Trotzdem blieb er seinen künstlerischen Ambitionen verpflichtet. Schon bald gehörte er dem engeren Wallraf-Kreis an. Diese "Olympischen Gesellschaft" hatte sich u. a. die Pflege der kölnischen Mundart zum Ziel gesetzt. De Noël selbst schuf 1811 eines seiner ersten mundartlichen Theaterstücke: In der "Geschichte des verlorenen Sohnes" traten als Protagonisten Hänneschen und Clärchen, Figuren aus dem Winter'schen Stockpuppentheater, auf. Und selbstverständlich gehörte er seit Anfang der 1820er Jahre zu den Mitbegründern des romantischen Karnevals. Wallraf hatte seinen wohl engsten Freund De Noël zum Testamentsvollstrecker erwählt. Nach Wallrafs Tod im Jahre 1824 kümmerte er sich um die Erfassung und Ordnung von dessen umfangreicher Sammlung und betreute sie 18 Jahre lang zunächst als ehrenamtlicher, ab 1832 als bezahlter Konservator im Auftrag der Stadt Köln. Daneben betätigte er sich als bezahlter Denkmalpfleger und dokumentierte zeichnerisch die stadtgeschichtlich bedeutenden Denkmäler (z. B. das Medusenhaupt, s. BdW - Archiv 45/1998 und BdW - Archiv 49/1998). 1842, nachdem er aus gesundheitlichen Gründen von seinem Konservatorenamt am "Wallrafianum", dem städtischen Museum, zurückgetreten war, begann er selbst verstärkt zu sammeln, vornehmlich Antiken und Kunstgewerbe. Zuvor hatte er die reiche Witwe Maria Juliane Brewer, geb. von Haupt, geheiratet, die außerdem gleich neben dem Wallrafianum in der Trankgasse wohnte. De Noël starb am 18. November 1849 in Köln - nächste Woche Donnerstag vor 150 Jahren. Seine Sammlungen wurden auf seinen Wunsch hin von seiner Witwe der Stadt Köln übergeben. Heute sind sie im Wesentlichen auf das Kölnische Stadtmuseum und das Museum für Angewandte Kunst verteilt, wo auch sein Selbstbildnis ausgestellt ist. Auf diesem Bild zeigt sich De Noël als noch recht junger Mann mit dunklen Haaren, dunklen Augen und kräftigem Bartschatten, in der modischen Kleidung des frühen Biedermeiers, den Blick sinnend-träumerisch in die Ferne gerichtet: Er ist wohl gerade dabei zu dichten. Vor ihm liegt ein aufgeschlagenes Buch gegen ein Altkölner Kapitell gelehnt, daneben eine kleine Sphinx: Im ägyptischen Stil hatte er schon 1805 den Zuschauerraum des Theaters in der Schmierstraße ausgemalt. Die Ähnlichkeit mit einem Bildnis seines großen Freundes springt ins Auge: De Noël scheint sein Selbstbildnis als Pendant zu dem 1792 von Anton de Peters (1725 - 1795) gemalten Wallraf-Portrait (s. kleines Bild und BdW - Archiv 30/1998) gedacht zu haben.

R. Wagner