Die Pauken der Mählsäck

Bild der 43. Woche - 25. Oktober bis 1. November 1999

Paradepauken des 8. Kürassierregiments, Berlin, Johann Georg Hossauer und Frankfurt/Main, Ww. F. Gabler geb. Henkel, 1827, Kessel: Kupferblech, versilbert; Behänge: Seide mit Silberborte, Höhe der Kessel: 37,5 bzw. 33,5 cm, Durchmesser 59,0 bzw. 56,5 cm, Kölnisches Stadtmuseum HM 1919/82 - XI/10

"Am 26. May 1827 verehrte Carl August Großherzog zu Sachsen - Weimar - Eisenach, Königl. Preuß. General der Cavallerie und Inhaber des 8. Cürassier Regiment, diesem Regiment dieses Paar Pauken" - so lautet die Gravur auf beiden Pauken oberhalb des von einem Eichenkranz gerahmten sächsischen Herzog-Wappens. Gegenüber befindet sich in einem Lorbeerkranz mit Krone der preußische Adler und verweist auf den obersten Landesherrn, den preußischen König. Der preußische Adler mit goldener Krone, Zepter und Reichsapfel sowie das kunstvoll verschlungene Monogramm FWR (Fridericus Wilhelmus Rex) mit der goldenen Königskrone im Eichenkranz auf den Paukenbehängen heben diesen noch einmal verstärkt hervor. Carl August war nicht Regimentschef von eigenen Gnaden, sondern vom preußischen König Friedrich Wilhelm III. (1770 - 1840) dazu ernannt worden. Gleichzeitig ist die Dekoration aber auch eine Huldigung an seinen Schwiegersohn, denn der Goetheförderer Carl August Großherzog von Weimar - Sachsen - Eisenach (1757 - 1828) schenkte dem Regiment 1827 dieses Paar Paradepauken anläßlich der Hochzeit seiner Tochter Marie mit Karl Prinz von Preußen. Er selbst war als General der Kavallerie 1822 - 1828 Chef des später als "Kürassier-Regiment Graf Geßler (Rheinisches) Nr. 8" bekannten Regiments. Schon 1792/93 hatte Carl August als preußischer General gegen die französischen Revolutionstruppen gekämpft. Und auch 1806 fand man den Napoleon-Gegner und "deutschen Patrioten" Carl August bei Jena an der Seite Preußens. Unter seiner Führung wurden die französischen Truppen aus den Niederlanden und Belgien vertrieben. Auf dem Wiener Kongreß wurde sein Herzogtum zum Großherzogtum. Das "Thüringische Kürassier-Regiment Nr. 8" wurde 1850 in Köln stationiert. Seit 1859 hieß es "Rheinisches Kürassierregiment Nr. 8" und 1889 erhielt es von Kaiser Wilhelm II. die offizielle Bezeichnung "Kürassierregiment Graf Geßler (Rheinisches) Nr. 8". Die Deutzer Kürassiere, deren Kaserne in Köln-Deutz zwischen Rhein und Urbanstraße lag, wurden ihrer weißen Uniformen wegen vom Volksmund auch als "Mählsäck" (d. h. Mehlsäcke) bezeichnet. Die Pauken und Behänge wurden von Oberstleutnant Köhne von Wranka-Demenski nach dem Ende des Ersten Weltkriegs dem Historischen Museum der Stadt Köln übergeben. Hier befinden sich außer dem Portrait der Großherzogs auch die Portraits der letzten Regimentschefs sowie "Mählsäck"-Uniformen.

R. Wagner