Es ist nicht alles Gold was glänzt

Bild der 13. Woche - 29. März bis 4. April 2021

Karl Fritsch, Steinhaufen Ring, geschwärztes Silber, verschiedene Edelsteine, Glas, H. 5,5, cm, MAKK
Foto: DetlefSchumacher.com

Mit der Ausstellung Danish Jewellery Box zeigt das MAKK Arbeiten zeitgenössischer dänischer Schmuckdesigner*innen und stellt ihnen einige ausgewählte Schmuckobjekte aus der eigenen Sammlung gegenüber. Eines davon ist der „Steinhaufen Ring“ des international renommierten Schmuckkünstlers Karl Fritsch.

Auf der matt-dunkelgrauen Ringschiene türmt sich ein Haufen bunter Steine. Jeder ist anders in Form, Farbe und Größe. Die Anordnung scheint völlig willkürlich und die Ringschiene grob geformt, als sei sie aus Knete. Die Bearbeitungsspuren sind deutlich sichtbar.

Auf den ersten Blick strahlt dieser Ring Übertreibung und Verschwendung aus. Wurden hier echte Steine verwendet? Einfach zusammengeklebt? Der Kitt quillt an manchen Stellen regelrecht hervor. Oder handelt es sich um buntes Glas? Der Leihe kann den Unterschied nicht erkennen. Tatsächlich findet sich hier beides: kostbare Steine neben einfachem Glas, auf einem Ring aus geschwärztem Silber. Karl Fritsch (*1963), der aus dem Allgäu stammt, in Pforzheim das Goldschmiedehandwerk erlernt und anschließend bei Hermann Jünger und Otto Künzli an der Akademie der bildenden Künste in München studiert hat, beschäftigt sich in seiner Arbeit immer wieder mit den materiellen Werten unserer Gesellschaft. Übermäßiger Prunk stößt uns meist als vulgär auf. Unter der dunkelgrauen Oberfläche und in der Überfülle des glitzernden Steinhaufens liegt bei diesem Ring das Wertvolle verborgen. Der einzelne Stein wird entwertet, seine Kostbarkeit verschleiert. Wird uns ein einzelner Edelstein in einer schönen Fassung präsentiert, erscheint uns sein Wert dagegen offensichtlich. Karl Fritsch bricht hier mit Traditionen der Schmuckkunst und schafft es auf diese Weise, unseren Blick vom Materiellen unabhängig auf die fast skulpturale Form des Rings zu lenken.

L. Hoppe