Joseph Beuys und "Vater Rhein"

Bild der 12. Woche - 22. März bis 28. März 2021

Joseph Beuys, Rhein Water Polluted, 1981, Multiple-Edition von 24 Flaschen, Glasflasche/Holz, Wasser, H. 28cm, Kölnisches Stadtmuseum/Rheinisches Bildarchiv

Seit 1993 rufen die Vereinten Nationen am 22. März zum Weltwassertag auf. Zwischenzeitlich ist hinlänglich bekannt, dass Wasser die Grundlage allen Lebens und ein unverzichtbares Gut ist. Doch die essenziellste aller Ressourcen ist begrenzt und daher so wertvoll und schützenswert. Darauf machen die Vereinten Nationen aufmerksam und möchten Bewusstsein schaffen.

„Dat Wasser von Kölle es joot“ – sangen schon die Bläck Fööss Anfang der 1980er Jahre. Doch Kölns Wasserader, der Rhein, war lange Zeit in schlechter Verfassung. Seit dem frühen 19. Jahrhundert gründeten sich entlang des Rheins industrielle Betriebe der Farb- und Pharmaindustrie. Mit der Bayer AG in Leverkusen und der BASF in Ludwigshafen befinden sich zwei Giganten der Chemie- und Pharmaindustrie unmittelbar am Flussufer. Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm die Verschmutzung des Rheins stetig zu. Verantwortlich waren vor allem die Industrie und die Städte. Vor allem die großen Pharmakonzerne leiteten ihre flüssigen Abfälle ungeklärt ins Wasser. Auch das illegale Ablassen von Altöl bei Schiffen war keine Seltenheit und trug zur Verschmutzung bei. In einer Zeit ungetrübten Fortschrittglaubens war das Gewässer so verschmutzt, dass die Wasserwerke Schwierigkeiten hatten qualitatives Trinkwasser herzustellen. In den 1960er Jahren galt der Rhein bereits als „die größte Kloake Europas“ – so sprach es der damalige Bundesminister für Atomenergie und Wasserwirtschaft Siegfried Balke am 8. November 1962 aus. Ein Zustand der sich die kommenden 30 Jahre nicht verbessern sollte. Ihren Höhepunkt erreichte die Rheinverschmutzung mit der Giftwelle vom 19. Juni 1969, die durch ein bis heute ungeklärte Ursache den Rhein herunterschwappte. Ein beispielloses Fischsterben im gesamten Rheinverlauf war die Folge – der Rhein war tot! Am 1. November 1986 wiederholte sich die Katastrophe: In einer Lagerhalle des Schweizer Chemieunternehmens Sandoz in Basel war ein Großfeuer ausgebrochen - hochgiftiges, rot gefärbtes Löschwasser floss in den Rhein.

Die Meldungen über die bedrohlich schlechte Wasserqualität des Rheins löste ein neues Umweltbewusstsein aus. Eine Welle an Protesten formierten sich durch Bürgerinitiativen und Greenpeace seit den frühen 1970er Jahren. Deren Auswirkung auf die Kunst macht unser Objekt deutlich. In „Rhein Water Polluted“, das sich in der Sammlung des Kölnischen Stadtmuseum befindet, füllte der Aktionskünstler Joseph Beuys (1921–1986) im Jahr 1981 verschmutztes Rheinwasser am Düsseldorfer Ufer ab. Die Aktion entstand in Zusammenarbeit mit dem argentinischen Aktionskünstler Nicolás García Uriburu (1937–2016), der als Vorreiter der Strömung Land Art, der künstlerischen Intervention in der Landschaft, gilt. García Uriburu sorgte mehrfach für Aufsehen, als er Flüsse, wie den Canal Grande zur Biennale in Venedig 1968 oder den East River in New York mit harmlosen biologischen Mitteln grün färbte, um auf die Verschmutzung der Gewässer aufmerksam zu machen.

Wie steht es um den Rhein heute? Die Wasserqualität hat sich deutlich verbessert und gilt als „mäßig belastet“. Der Fluss stellt keine Gefahr mehr für Mensch und Tier dar, was die zahlreichen Freizeitangelnden an den Ufern beweisen. Auch die Artenvielfalt kehrt mit der Verbesserung der Wasserqualität langsam zurück. Lebten Ende 1975 gerade noch 28 Fischarten im trüben Rhein, sind es heute bereits 63 verschiedene Arten. Dat Wasser vun Kölle weed joot!

A. Krätz