Der Roncalliplatz – historische Mitte im Herzen der Rheinstadt

Bild der 43. Woche - 28. Oktober bis 3. November 2019

Unbekannt: Domhof in Köln zur Zeit der Pest, Köln 1605, Öl auf Leinwand, Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, Gemäldesammlung, Inv.-Nr. WRM 2259 (Foto: RBA Köln)

Mit 2.000 Jahren gehört Köln zu den ältesten Städten Deutschlands. Obwohl der Kölner Dom das Wahrzeichen der Stadt ist, ist er lange nicht so alt, wie die Stadt selber. Lange bevor der Kölner Dom in Planung war gab es bereits den Platz, der heute als Roncalliplatz bekannt ist. Heutzutage Vorplatz des Doms und ein wichtiger innerstädtischer Veranstaltungsort für Konzerte, politische Veranstaltungen und dem alljährlichen Weihnachtsmarkt, spielte der Domhof, wie der Roncalliplatz jahrhundertelang hieß, schon seit der Römerzeit eine wichtige Rolle. Der Platz hat eine lebhafte Vergangenheit in der Geschichte der Stadt Köln und erzählt von der ersten Besiedlung, der römischen Stadtplanung, der mittelalterlichen Nutzung als Vorplatz des noch unvollendeten Doms bis hin zur Nutzung als Parkplatz des Domhotels im 19. Jahrhundert und der heutigen Rolle als zentraler Platz zwischen Dom, Römisch- Germanischen Museum und Domhotel.

7000 Jahre Geschichte

Vor 7000 Jahren gab es auf dem Platz bereits die erste steinzeitliche Siedlung. Als Köln in den folgenden Jahrhunderten eine römische Stadt wurde, spielte auch der heutige Roncalliplatz eine zentrale Rolle in der Stadt. Auf ihm befand sich eine prachtvolle römische Stadtvilla, auf deren Grundmauern 1974 das Römisch-Germanische Museum eröffnet wurde. Im 8. und 9. Jahrhundert wurde an der Stelle, an der sich heute der Kölner Dom befindet, eine Bischofskirche erbaut. Ab dieser Zeit stellt der Platz das sakrale Zentrum der Stadt dar.

Im 12. Jahrhundert ließ sich der Kölner Erzbischof Reinhard von Dassel einen repräsentativen Palast auf dem Platz errichten. Da Köln eine der größten und bedeutendsten Städte nördlich der Alpen war kamen mehr und mehr Pilger*innen in die Stadt. Mit der Überführung der Gebeine der Heiligen Drei Könige nach Köln wuchs diese Zahl immer weiter und der alte Dom war diesem Ansturm nicht mehr gewachsen. 1248 wurde der Grundstein zu einer neuen Kathedrale, dem Kölner Dom, gelegt. Wegen eines Baustopps von ca. 300 Jahren wurde diese erst mehr als 600 Jahre später fertig gestellt.

Mit dem Dom zur Weltstadt

Das Gemälde zeigt den Domhof im Jahr 1605. Mehrere Alexianerbrüder befinden sich auf dem Platz um Hilfe für an der Pest erkrankte Soldaten zu leisten. Gut zu erkennen ist der halbfertigen Dom im Hintergrund, ebenso wie die vielen Gebäude und Kirchen, von denen der Domhof zu dieser Zeit noch umringt war.

Mit der Fertigstellung des Doms 1880 wurde Köln endgültig zu einer Großstadt. Die Kathedrale sollte nun freigestellt und die Umgebung großzügiger gestaltet werden, damit diese einen großstädtischen Charakter annehmen konnte. Der Domhof wurde mit dem Abbruch des letzten Gebäudes in Richtung Altstadt geöffnet und der Domhügel so zu einer vom Verkehr umflossenen Insel. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Domhof zuerst als Parkplatz für das Domhotel genutzt. In den 1960er Jahren gestaltete Architekt Fritz Schaller die Umgebung erneut um. Er hob das Fußgängerterrain auf das Höhenniveau der Domportale an, die bis dahin nur über Treppen zugänglich waren und ließ so den historischen Domhügel verschwinden. Seither wird der Dom von einer betonierten Plattform umgeben. Im Zuge dieser kompletten Neugestaltung wurde auch der Domhof in den heutigen Namen umbenannt. Als Namensgeber diente Papst Johannes XXIII., mit bürgerlichem Namen Angelo Guiseppe Roncalli, da er dem Kölner Dom einen kostbaren Ring vermachte. Seit der Eröffnung des Römisch-Germanischen Museums 1974 ist der Roncalliplatz schließlich einer der bedeutendsten Plätze Köln geworden, der die Geschichte der Stadt wie kein Anderer erzählt.

H. Krüger