Ein machtbewusster Kardinal

Bild der 07. Woche - 12. Februar bis 18. Februar 2018

Andrea Sacchi: Kardinal Francesco Barberini, um 1635/1640. Öl auf Leinwand, 129 x 95,5 cm. Köln, Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, Inv.-Nr. Dep. 0334, Leihgabe seit 1968 (Foto: RBA)

Im Jahr 1616 begann das Verfahren gegen einen der vermeintlich größten Widersacher der katholischen Kirche: Galileo Galilei, vor 454 Jahren am 15. Februar 1564 geboren, hatte tatsächlich behauptet, die Erde sei keine Scheibe, sondern eine Kugel. Die Kirche war empört; und eröffnete das Verfahren. Doch nicht alle Kleriker gingen mit den Anschuldigungen konform. So etwa Francesco Barberini, der dafür plädierte, Galilei zumindest Gehör zu schenken.

Der aufgeschlossene Florentiner entstammte dem alten Adelsgeschlecht der Barberini, das in Rom zu Einfluss und Reichtum gelangte, was schließlich 1623 in der Wahl Maffeo Barberinis zu Papst Urban VIII. gipfelte. Auch der junge Francesco profitierte von der Stellung seines Onkels im Vatikanstaat. Noch im selben Jahr wurde er zum Kardinal ernannt und fungierte von nun an als Kardinalnepot, als „rechte Hand“ des Papstes. Auch andere hohe Kurienämter wurden ihm oder seinen Verwandten zugeschrieben. Rom war in der Hand der Barberini.

Prunk, Pracht und Power

Das zeigt auch das Portrait Francescos. Vermutlich als Auftragsarbeit fertigte der Maler und Zeitgenosse Andrea Sacchi das Gemälde zwischen 1635 und 1640 an. Es zeigt einen Mann in den späten Dreißigern oder frühen Vierzigern in seinen Kardinalsgewändern – auf dem Höhepunkt seiner Macht.

Ihren Reichtum und ihre Pracht stellten die Barberini mit dem Bau ihres Palazzo auf einem der sieben Hügel Roms, dem Quirinal, zu Schau. Diesem ist auch das in den 1770ern entstandene Palais Barberini in Potsdam nachempfunden. Während des Zweiten Weltkriegs zerstört, wurde der Palast bis 2016 rekonstruiert. Heute beherbergt er vor allem die private Kunstsammlung der Hasso-Plattner-Stiftung. Diese umfasst konträr zum klassizistisch-barocken Bau vor allem moderne Kunst, unter anderem von Claude Monet, Edvard Munch und Auguste Renoir.

Segen und Fluch Roms

Auch Francesco war selbst als Mäzen tätig. So förderte er Kunst und Wissenschaft des barocken Rom und prägte das Stadtbild entscheidend mit. Er empfing Künstler, Philosophen und Humanisten. Die Barberini hatten aber auch eine andere Seite. So gab Papst Urban VIII. das antike Kolosseum als Steinbruch frei und ließ die Bronzedecke des Pantheons einschmelzen, nur um daraus Kanonen für die Engelsburg zu gießen. Damit wurden unwiederbringlich einzigartige Kunstschätze Roms zerstört. Nicht ohne Grund entstand das Sprichwort: „Was die Barbaren nicht schafften, das schafften die Barberini“ in dieser Zeit.

Mit dem Tod Papst Urbans VIII. wurde das Ende der goldenen Zeit für die Barberini und damit auch für Francesco eingeläutet. Urbans Nachfolger beschuldigte die ganze Familie der Machtgier und der schamlosen Bereicherung, enthob sie ihrer Kirchenämter und beschlagnahmte vorerst ihr Vermögen. Francesco floh daraufhin nach Frankreich. Seine Rückkehr und Rehabilitation folgte mit dem Tod seines päpstlichen Anklägers, doch den alten Glanz sollte die Familie nicht wiederherstellen können.

M. Flach