Mensch Wallraf!

Bild der 49. Woche - 4. Dezember bis 10. Dezember 2017

Nikolas B. Salm: Ferdinand Franz Wallraf inmitten seiner Sammlung, um 1820, Bleistift und Feder auf Papier, 63,65 x 49,15 cm. 
Köln, Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, Graphische Sammlung, Inv.-Nr. Z 02600 (Foto: RBA, 2007)

Alte Ritterrüstungen im Hintergrund, am Rand des Bildes kann man Gefäße erkennen. Der Stuhl steht auf Büchern, eine Pergamentrolle liegt ausgefaltet auf dem Boden. Zwischen den Stuhlbeinen lugt eine Katze hervor, die den Betrachter anzustarren scheint. In der Mitte des Bildes ein alter Mann, in der Hand ein gerahmtes Bild, welches er aufmerksam betrachtet.

Schneiderssohn aus Köln

Der Mann, der so prominent in der Mitte des Bildes zu erkennen ist, trägt den Namen Ferdinand Franz Wallraf – ein Name, den man heute vor allem mit dem Wallraf-Richartz-Museum assoziiert. Wallraf wird im Jahr 1748 als Sohn eines Schneiders in Köln geboren. Er besucht das Gymnasium und lässt sich schließlich zum Priester weihen, um selbst unterrichten zu können. Er studiert Medizin, 1788 wird ihm der Doktortitel verliehen. Zeitweise hat er den Lehrstuhl für Botanik inne – damals der medizinischen Fakultät zugeordnet – und ist außerdem kurze Zeit Rektor der Universität, bevor ihn die Franzosen während ihrer Besatzung aus diesem Amt entheben.

Seine Leidenschaft ist jedoch die Kunst: Als engagierter Sammler ist er an allem interessiert, was auch nur im Entferntesten mit seiner Heimatstadt Köln in Verbindung steht. Seine Wohnung in der ehemaligen Dompropstei gleicht bald einem Museum und wird zum kulturellen Zentrum des Gelehrtenaustausches. Hier kommen Kunst- aber auch Musikliebhaber zusammen. Regelmäßig werden Konzerte veranstaltet: ab 1810 durch die „Olympische Gesellschaft“, die sich der Pflege von Kunst und Literatur sowie des Kölner Dialektes und Humors verpflichtet hat. Später trifft sich auch der „Verein der Dommusiken- und Liebhaberkonzerte“ in Wallrafs Bleibe.

Kunstliebhaber und chronisch pleite

Seine Sammelleidenschaft treibt Wallraf jedoch in die Schulden, zeitlebens ist er auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Sein Gönner und Förderer, Dompropst Franz Wilhelm Graf von Oettingen, überlässt ihm die Dompropstei daher zur freien Nutzung, und auch die Stadt Köln unterstützt Wallraf mit einer Rente, die seine materiellen Ausgaben weitestgehend deckt. Wallraf macht die Stadt 1816 zum Haupterben seiner Sammlung: Bis heute sind seine Schätze in den Kölner Museen zu finden und bilden die Grundlage vieler Sammlungen. Nach seinem Tod im Jahr 1824 dauert die Sichtung von Wallrafs Sammlung rund zwei Jahre: nahezu 10.000 Gemälde, Zeichnungen und Holzschnitte, 1.000 Handschriften und Urkunden. Außerdem müssen zahlreiche antike Kunstwerke, Bücher, Münzen und Fossilien begutachtet werden.

Im heutigen Stadtbild ist Wallraf noch immer präsent. Beigesetzt wurde er auf dem Friedhof Melaten, den er zu seinen Lebzeiten selbst umplante. Außerdem ist neben dem Wallraf-Richartz-Museum auch der Wallraf-Platz nach ihm benannt. Dieser befindet sich an der Stelle der ehemaligen Dompropstei, die nach seinem Tod abgerissen wurde, gleich zwischen Dom und Hohe Straße. In der Richartzstraße gedenkt außerdem eine Statue Ferdinand Franz Wallrafs, der 1823 zum Erzbürger der Stadt wurde – eine Widmung, die der Ehrenbürgerwürde gleichkommt.

Ausstellung über den Erzbürger

Im Historischen Archiv der Stadt Köln eröffnet in dieser Woche eine neue Ausstellung, die in Kooperation mit Studierenden der Universität zu Köln entwickelt wurde: „Mensch Wallraf! Köln und sein Erzbürger“. Darin wird Wallrafs facettenreiches Leben in Schriftstücken und Exponaten präsentiert. Die Ausstellung läuft bis zum 9. März 2018 – bei freiem Eintritt.

J. Wonke