Rhythmus des Alls - zum Tag des Pi

Bild der 11. Woche - 14. März bis 20. März 2016

Robert Delaunay (1885-1941): Rhythme sans fin, 1934. Öl auf Leinwand, 208 x 51,9 cm, Inv. ML 76/3234 (Foto: RBA)

Sonia Delaunay-Terk (1885-1979): Rhythme couleur, 1968. Öl auf Leinwand, 140 x 200 cm, Inv. ML 76/3235 (Foto: RBA)

Den heutigen 14.3. feiern Mathematiker als „Pi Day“, als Tag zu Ehren der Kreiszahl Pi. Das kommt nicht von ungefähr. In der amerikanischen Datumsschreibweise wird der Monat zuerst genannt, danach kommt der Tag: 3/14. Das entspricht den ersten drei Stellen von Pi: 3,14. Die danach folgenden Stellen lauten: 159. Folglich laufen Anhänger des Pi-Tages um 1 Uhr 59 nachmittags im Kreis, essen kreisrunde Kuchen („Pie“), die mit Dezimalstellen aus Zuckerguss verziert sind, und veranstalten Wettkämpfe im Aufsagen von memorierten Pi-Dezimalstellen. Offizieller Weltrekordhalter ist aktuell der Inder Rajveer Meena. Er konnte am 21. März 2015 in einer Zeit von 10 Stunden 70.000 Nachkommastellen fehlerfrei aufsagen!

Erfunden wurde der „Pi Tag“ 1987 von dem Mathematiker Larry Shaw am Exploratorium in San Francisco, einem Science Center, das sich der Vermittlung der Naturwissenschaften widmet. 2009 wurde der Pi Day auch vom US-Kongress zum offiziellen Nationaltag für die Kreiskonstante Pi erklärt. Dazu trug sicherlich auch bei, dass Albert Einsteins Geburtstag auf den gleichen Tag fällt. Allerdings hat Einstein mit der Entdeckung und Erforschung der Kreiszahl Pi (π) nichts zu tun. Es war der griechische Denker Archimedes von Syrakus (ca. 287 – 212 v. Chr.), der sie erstmals mathematisch eingrenzte und eine Grundlage für alle weiteren Berechnungen der folgenden 2.200 Jahre schuf.

Ihre Bezeichnung verdankt die mathematische Konstante dem griechischen Buchstaben π und beschreibt den Umfang eines Kreises (περίμετρος – perimetros) unabhängig von seiner Größe, im Verhältnis zu seinem Durchmesser. Verschwommen erscheint da eine Erinnerung an den Geometrie-Unterricht, die mit Pi zu tun hat: Kreisumfang u = 2 * π * r (Radius). Pi ist eine irrationale Zahl und hat unendlich viele Nachkommastellen, die sich offenbar nie wiederholen. Bislang wurden über eine Billion Stellen von Pi bestimmt. Die Unendlichkeit ist ein Grund für die seit Jahrtausenden anhaltende Faszination für die Konstante: Pi bleibt immer ein bisschen geheimnisvoll.

Als Unendlichkeitssymbol taugt π ebenso wie der Kreis selbst – er hat weder Anfang noch Ende – oder das mathematische Zeichen für Unendlichkeit ꝏ. Der Künstler Robert Delaunay bediente sich dieser Symbolsprache. Sein 1934 entstandenes Werk war ursprünglich für einen Paravent seiner Frau Sonia Delaunay-Terk gedacht. Es gehört zu der Reihe der "Endlosen Rhythmen", die mit Motiven und Symbolen von Unendlichkeit arbeiten. Die rhythmischen Kreissegmente zitieren die Spektralfarben und ergeben zusammen mit den begrenzenden Ausschnitten in Schwarz und Weiß eine endlos erscheinende, an Spiralsysteme erinnernde Bildkomposition, die Delaunay als Universum versteht. Bei aller Abstraktion basiert Delaunays Gemälde auf einer Symbolsprache, die für eine naturwissenschaftliche Durchdringung der Welt steht.

M. Hamann