Rainer Budde, 23 Jahre Direktor des Wallraf

Bild der 09. Woche - 29. Februar bis 6. März 2016

Sabrina Walz: Porträt Rainer Budde, nicht datiert (Foto: RBA)

In dieser kleinen Serie soll ein Blick auf die Direktoren des Wallraf geworfen werden. Sie leiteten das Museum in den verschiedenen Epochen, mehrfach zur Zeit der Suche nach einer neuen Heimat, in den Wirren des Krieges und zur Zeit, als ein wichtiger Bestandteil der Sammlung an das neu gegründetet Museum Ludwig abgegeben werden musste. In diesem Bild der Woche wenden wir uns dem Direktor zu, unter dem das Wallraf-Richartz-Museum zusammen mit dem Museum Ludwig am Dom seine Heimat hatte und unter dem das Museum in einen eigenen Neubau zog ...

Rainer Budde, 1939 in Bochum geboren, promovierte 1968 – nach dem Studium der Kunstgeschichte, der Klassischen Archäologie, der Alten Geschichte und der Musikwissenschaft (Köln, Freiburg, Paris und Rom) – an der Universität zu Köln bei Professor Dr. Heinz Ladendorf zum Dr. phil. (Dissertation: Der Skulpturenschmuck des 13. Jahrhunderts im Dom zu Münster). Nach Tätigkeit als Wissenschaftlicher Assistent, Kustos und Hauptkustos am Wallraf-Richartz-Museum (1968–1980) – damals für die zeitgenössische Kunst zuständig –, wurde er 1981 dessen Direktor.

Dr. Rainer Buddes lange Amtszeit war geprägt durch ein vielgestaltiges Sonderausstellungprogramm des Museums, den Zugewinn hochkarätiger Neuerwerbungen für den Sammlungsbestand des Hauses wie nicht zuletzt auch durch zwei große Museumsneubauten. So fand am 6. September 1986 die feierliche Eröffnung des Doppelmuseums Wallraf-Richartz-Museum/Museum Ludwig in der Bischofsgartenstraße statt (Architekten: Busmann + Haberer); am 19. Januar 2001 konnte der Neubau für das Wallraf-Richartz-Museums (Architekt: Oswald Mathias Ungers) auf dem städtebaulich hochbedeutenden Areal zwischen Historischem Rathaus und Gürzenich feierlich eröffnet werden (für die Belange des Museums im neuen Hause setzt sich seit seiner Gründung im Jahre 1997 großzügig der Stifterrat des Wallraf-Richartz-Museums ein).

Unter den Gemälde-Zugängen zu Rainer Buddes Amtszeit finden sich so hochklassige Werke wie Claude Monets „Seerosen“ (erworben 1981), Gustave Caillebottes „Trocknende Wäsche am Ufer der Seine“ (erworben 1983), das „Andachtsbild mit zwölf Szenen aus dem Leben Christi (Kölnisch 1450/60; erworben 1988) oder Adam Elsheimers „Landschaft mit Latona und den lykischen Bauern“ (erworben 1992).

Solche Erwerbungen konnten gelingen dank der großzügigen Unterstützung von Kuratorium und Förderergesellschaft Wallraf-Richartz-Museum & Museum Ludwig e.V., dessen geschäftsführendes Vorstandsmitglied Rainer Budde von 1981 bis 2004 war. Auch dem Verein der Freunde des Wallraf-Richartz-Museums und Museum Ludwig gehörte er in dieser Zeit als Vorstandsmitglied und stellvertretender Vorsitzender an.

Zu den von Rainer Budde kuratierten Ausstellungen gehörte unter vielen anderen die Ausstellung „Miracle de la couleur – Die Sammlung Corboud“ (2001). Mit dieser hieß Rainer Budde ein Gemäldekonvolut willkommen, dessen inhaltliche Konzeption er über lange Jahre beratend begleitet hatte und dessen Übergang als Stiftungsgabe ans Haus seinem vertrauensvollen Umgang mit dem Stifterehepaar Gérard J. und Marisol Corboud zu danken war. Am 27. März 2001 wurde deren umfangreiche Sammlung von rund 180 Gemälden des Impressionismus und Neoimpressionismus in Form einer „Ewigen Dauerleihgabe“ zugunsten des Wallraf-Richartz-Museums an die Stadt Köln gegeben. Seither trägt das Haus den Namen der Stiftung in seinem Titel: Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud.

Unter Rainer Budde wurden zudem in entscheidendem Maße die Grundlagen gelegt für die heutige Betriebsform des Museums; die Überführung in eine neue Rechtsform nahm noch unter seinem Direktorat ihren Anfang: Heute wird das Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud als eigenbetriebsähnliche Einrichtung der Stadt Köln geführt.

Seit dem Ende seiner Amtszeit als Direktor (31. Dezember 2004) widmet sich Rainer Budde verstärkt seiner Lehrtätigkeit an der Indiana University in Bloomington/Indiana (dort seit 1992 Adjunct Associate Professor of Fine Arts) sowie seiner zweiten großen Leidenschaft neben der Kunst: der Musik – insbesondere dem Orgelspiel (Rainer Budde war Schüler von Max Reger, Karl Kämper sowie Olivier Messiaen) und dem Komponieren. Seine Leidenschaft gilt aber nicht zuletzt auch den Vierbeinern; so gehör(t)en ausgedehnte Spaziergänge mit seinen Hunden seit jeher zu Rainer Buddes ganz besonderen Vorlieben.

B. Schaefer