Der Direktor der Kriegs- und Nachkriegszeit

Bild der 05. Woche - 1. Februar bis 7. Februar 2016

Porträt von Helmut Förster, Direktor des Wallraf und Generaldirektor der Kölner Museen (Foto: RBA)

In dieser kleinen Serie soll ein Blick auf die Direktoren des Wallraf geworfen werden. Sie leiteten das Museum in den verschiedenen Epochen, mehrfach zur Zeit der Suche nach einer neuen Heimat, in den Wirren des Krieges und zur Zeit, als ein wichtiger Bestandteil der Sammlung an das neu gegründetet Museum Ludwig abgegeben werden musste. in diesem Bild der Woche wenden wir uns einer "schillernden" Person zu, die zweimal das Amt des Direktors im Wallraf bekleidete ...

Otto Helmut Förster, 1894 in Nürnberg geboren, studierte Geschichte und Kunstgeschichte und promovierte 1921 über die „Kölner Malerei des 14. Jahrhunderts“. Noch im selben Jahr begann seine Arbeit am Wallraf mit einem Volontariat, über eine Stelle als wissenschaftlicher Hilfsarbeiter wurde er 1925 zum Kustos der alten Galerie und schließlich 1933 zum Direktor gewählt.

Förster setzte die Forderungen des Leiters des Amtes für Kunst und Volksbildung, Willy Ebel, zur Ausgrenzung jüdischer Mitarbeiter und Geschäftspartner umgehend um und trat auch kurz nach seiner Ernennung der NSDAP bei.

Von Beginn seiner Direktorentätigkeit an war es Försters Bestreben, die Lücken in der Sammlung durch Neuerwerbungen aufzufüllen. Mit Unterstützung der Stadtverwaltung wurde die wertvolle, zuvor 1928 leihweise ins Museum gekommene Sammlung Carstanjen (Bilder von Rembrandt, Frans Hals und anderen niederländischen Meistern des 17. Jh.) für das Museum gesichert und 1936 erworben.

Zum 75-jährigen Jubiläum des Museums wurde 1935/36 eine Renovierung und Neuordnung mit der Eingliederung der Sammlung Carstanjen durchgeführt. Dabei wurde erstmals eine elektrische Beleuchtung in den Ausstellungsräumen installiert, die eine Abendöffnung ermöglichte. Die Neueröffnung erfolgte mit einer großen Sonderausstellung über Stephan Lochner, in der alle bis dahin bekannten Werke vereinigt wurden.

Neuer wichtiger Mitarbeiter wurde Helmut Richard May, der sich noch bis 1937 insbesondere für die zeitgenössische Kunst einsetzte. In diesem Jahr wurden im Rahmen der „Säuberung der Museen“ u. a. 45 Gemälde beschlagnahmt und teilweise in der Ausstellung „Entartete Kunst“ in München gezeigt. Als Reaktion auf die Beschlagnahmung und die Kritik an der Ankaufspolitik initiierte Förster die Ausstellung „Neu-Erwerbungen Deutscher Kunst 1933-1937“, in der Werke präsentiert wurden, die den Vorstellungen des NS-Staates entsprachen, ebenso schloss er die „Galerie der Lebenden“. Andererseits nahm das Museum noch 1941 Werke „entarteter Kunst“ der Sammlung Haubrich ins Depot auf, um sie vor Kriegseinwirkungen zu schützen.

Bei dem Bestreben, die Lücken in der Sammlung aufzufüllen, griff Förster mangels eines ausreichenden städtischen Ankaufsetats auf nicht erst heute sehr umstrittene Finanzierungsmethoden zurück. Zwischen 1942 und 1944 wurden 655(!), von Förster als „durchschnittliche, nicht galeriewürdige Handelsware und wertloser Speicherkram“ bezeichnete Bilder des Museums verkauft oder im Tausch abgegeben. Dafür wurde unter anderem in den besetzten Gebieten Frankreichs und der Niederlande eingekauft, was aber dazu führte, dass viele Werke nach Kriegsende restituiert wurden und dem Museum ein doppelter Verlust entstand.

Schon 1934 wurde Liebermanns „Selbstbildnis“ wegen des „jüdischen Aussehens“ an Haubrich verkauft, 1940 gefolgt von „Der barmherzige Samariter“ und „Tochter des Künstlers zu Pferde“. Die Bilder haben nach 1945 über die Sammlung Haubrich wieder zurück ins Museum gefunden. In den Bombennächten des Jahres 1943 wird das Museum völlig zerstört. Der größte Teil der Kunst kann jedoch durch rechtzeitige Auslagerung gerettet werden.

1945 wird Förster wegen seiner Verbindung zum Nationalsozialismus entlassen. Nach dem Krieg startete Förster eine zweite Karriere: Von 1957 bis zur seiner Pensionierung 1960 wurde Förster zum Generaldirektor der Kölner Museen und Direktor des Wallraf-Richartz-Museums gewählt, er starb 1975.

 

H. Bachem