Samstag, 5. Juni 1288

Bild der 23. Woche - 3. bis 9. Juni 2013

Fragment einer Inschrift von der Bonifatiuskapelle, um 1478, Schiefer, H: 54 cm, B: 47 – 16 cm, ursprüngliche B: 210 cm, T: 0,8 cm, Kölnisches Stadtmuseum, Inv.-Nr.: 1990/1047

Seit nunmehr 725 Jahren ist die „Schlacht von Worringen“ einer der wichtigsten stadtkölnischen Mythen. Erstaunlicherweise hat sich von diesem für die Stadtgeschichte so wichtigen Ereignis kein dingliches Zeugnis erhalten. Auch das hier abgebildete Fragment einer Inschrift aus der Bonifatiuskapelle ist erst später entstanden. Die Kölner feierten die Erinnerung an die Schlacht bei Worringen mit der Einrichtung einer jährlich stattfindenden Prozession des Rates und der Bürgermeister zu der um 1300 errichteten Bonifatiuskapelle in der Severinstraße, benannt nach dem Patron des Schlachttages, des 5. Juni – dem hl. Bonifatius. Die Inschrift wurde vermutlich 1478 angebracht, als die Kapelle Franziskanerinnen übergeben wurde, die als Folge der feindlichen Aktivitäten des burgundischen Herzogs Karl hier ihre Heimat fanden. Die Inschrift lautete übersetzt: "Im Jahre 1288 gab es in Worringen eine Schlacht und dies am Samstag. / Im Jahre 1269 [eigentlich 1268] wurde Köln überfallen durch ein Loch in der Nähe der Ulrepforte". (vgl. BdW 4/2009 und BdW 31/2009). Die Schlacht bei Worringen am 5. Juni 1288 war eine seit Jahren erwartete Entscheidung über die Machtverhältnisse im Nordwesten des Reiches, die auch für Köln ein wichtiges Ergebnis brachte. Mehr als zwei Jahrhunderte dauerten die Auseinandersetzungen zwischen Bürgerschaft und den Köln regierenden Erzbischöfen schon an. Alte erzbischöfliche Rechte und Ansprüche prallten auf neue Gewohnheiten, Rechte und Vorstellungen der Bürger, die aus ihrem geschäftlichen Erfolg auch politische Rechte ableiteten. Zuletzt hatte es 1275 einen Vertrag gegeben, in dem sich Erzbischof und Stadt Rechte, Freiheiten und Gewohnheiten bestätigten. Die Ruhe nutzte Erzbischof Siegfried von Westerburg, um seine Macht am Mittel- und Niederrhein sowie in Westfalen zu sichern. Mächtiger Gegner war der Herzog von Brabant, Jan I.. Die Situation spitzte sich zu, als das kleine, aber zentral gelegene Herzogtum Limburg ohne Erbe dastand. Der Besitz dieses Herzogtums war der Schlüssel zur Macht am Niederrhein! Die Kölner Patrizier, die Herren der Stadt, müssen rasch erkannt haben, dass ein Sieg des Erzbischofs das Ende der mühsam errungenen städtischen Freiheiten bedeutet hätte. Man nahm also Verhandlungen mit Jan von Brabant auf. Der Brabanter lagerte Ende Mai 1288 in Brühl, bereit, das erzbischöfliche Wildgehege zu plündern. Unterdessen wartete Erzbischof Siegfried bei Neuss auf den Zuzug seiner Verbündeten. Am Morgen des 5. Juni 1288 befand sich das erzbischöfliche Lager bei Brauweiler, das des Brabanters, dem sich das stadtkölnische Aufgebot angeschlossen hatte, im Worringer Bruch. Morgens gegen 9 Uhr begann die Schlacht, eine der größten Ritterschlachten des Mittelalters, an der 6000 Berittene und 4000 Mann zu Fuß teilnahmen. Es soll 40 Tote auf Brabanter Seite, aber 1000 Tote auf der zahlenmäßig überlegenen gegnerischen Seite gegeben haben. Zu diesen Toten zählten auch die beiden Grafen von Luxemburg sowie ein Bruder des Erzbischofs. Die Kölner hatten den Tod ihres Anführers Gerhard Overstolz zu beklagen. Als am Abend Mönche über das Schlachtfeld zogen, fanden sie nur nackte Tote, aller Habe beraubt. Sie legten Freund und Feind in ein gemeinsames Grab nahe der Worringer Kirche. Schon am frühen Nachmittag war der Erzbischof in Gefangenschaft geraten. Dreizehn Monate war er dann in Schloss Burg eingesperrt, bevor er todkrank im Juli 1289 aus der Gefangenschaft entlassen wurde. Jan I. von Brabant verließ das Schlachtfeld als Sieger und mit ihm die Kölner Bürger, die übrigens nur eine Nebenrolle auf dem Schlachtfeld gespielt hatten. Aber sie hatten sich ihre städtische Freiheit in offener Schlacht erkämpft und bewahrten diese bis 1794, als der Einmarsch der französischen Revolutionstruppen der brüchig gewordenen Freiheit ein Ende setzte. Übrigens erhielt nach der Schlacht 1288 ein kleines Dorf an der Düssel die Stadtrechte – die bergischen Bauern hatten sich ebenso tapfer geschlagen wie die Kölner Stadtbürger. dieses Bild bei www.kulturelles-erbe-koeln.de.

R. Wagner