Hort der Weisheit

Bild der 22. Woche - 27. Mai bis 2. Juni 2013

Typar (Siegelstempel) des großen Siegels der Universität, Köln 1392 (erstmals verwendet am 6. Dezember 1392), Umschrift: S(igillum) : uniuersitatis : studii : s(an(c(t)e : ciuitatis : coloniensis, Messing, Dm. 8,7 cm, Kölnisches Stadtmuseum, Inv.-Nr. KSM S 8

Zeigt das Große Siegel der Stadt Köln von 1268/69 noch den heiligen Petrus als Schirmherrn der Stadt, so haben auf dem 125 Jahre später gefertigten Universitätssiegel die Heiligen Drei Könige diesen Platz übernommen. Petrus ist Patron von Dom und Erzbistum und solange der Erzbischof Stadtherr war – also faktisch bis 1288, als er in der Schlacht bei Worringen unterlag –, war Petrus auch Kölns Stadtpatron. Für die Schlacht hatte sich die Stadt neue Patrone erkoren und sich für die 1164 von Erzbischof Rainald von Dassel nach Köln gebrachten Heiligen Drei Könige entschieden. Seitdem sind die drei Kronen ein Synonym für Köln. Das große Siegelbild des Universitätstypars zeigt die Anbetung der Heiligen Drei Könige, die dem Jesuskind auf dem Schoß Mariens Geschenke bringen, überragt von einem gotischen Baldachin. Unter der Standfläche befindet sich das Wappen der Stadt Köln mit den drei Kronen. Die elf Flammen für Ursula und ihre Gefährtinnen kamen erst viel später hinzu. Als Papst Urban VI. am 21. Mai 1388 in Perugia, also vor 625 Jahren, die Gründungsbulle der Universität zu Köln unterschrieb, war das gleichzeitig der Gründungsakt der ersten deutschen Universität, die von Bürgern gegründet wurde. Allerdings sollte dieser Stiftungsbrief erst sieben Monate später, am 22. Dezember, im Rat verlesen werden. In vorelektronischen Zeiten konnte der Postweg von Italien nach Köln schon einmal etwas länger dauern. Die älteren Universitäten des Reiches – Prag, Wien und Heidelberg – waren fürstliche Gründungen (Erfurt, ebenfalls eine bürgerschaftliche Gründung, erhielt zwar schon 1379 das päpstliche Patent, wurde aber erst 1392 eröffnet). Die Kölner Universität folgte hinsichtlich Organisation und „Lehrplan“ vor allem dem um 1200 gegründeten Vorbild von Paris. Der Vorlesungsbetrieb in Köln begann – wie sollte es bei diesen Patronen auch anders sein – am Dreikönigstag, dem 6. Januar 1389 mit 700 Studenten – alle männlich, Frauenstudium in Köln gibt es erst seit Beginn des 20. Jahrhunderts. Dafür kannte man keine „Ausländerregelungen“, zugelassen war jeder, der genügend Geld mitbrachte und des Lateinischen, der mittelalterlichen Wissenschaftssprache, mächtig war. Die Eröffnungsvorlesung hielt Professor Gerhart Kikpot von Kalkar, ein Theologe. Erster Rektor wurde Hartlevus de Marca. Wie es sich für ein Start-up-Unternehmen gehört, warb man das Personal anderswo ab. Glücklicherweise hatte sich die Pariser Universität im Kirchenstreit eben mit dem römischen Papst unterworfen, wodurch die romtreuen Professoren in Köln ihr Auskommen finden konnten. Weitere Professoren kamen aus Heidelberg, von wo sie vor der Pest geflohen waren. Die Stadt stellte die Bezahlung von zunächst neun Professoren sicher – überwacht von vier städtischen Provisoren –, weitere Professorenstellen wurden mittels kirchlicher Pfründe (also Kanonikerstellen) gesichert. Die meisten Professoren waren Geistliche, nur im Bereich Medizin und Jurisprudenz waren auch Laien zur Lehre zugelassen. Köln war übrigens die erste Universität im Reich, die neben kirchlichem auch weltliches Recht lehrte. Dieses Bild bei www.kulturelles-erbe-koeln.de: http://www.kulturelles-erbe-koeln.de/documents/obj/05735980

R. Wagner