Das Vermächtnis Irene Ludwigs

Bild der 14. Woche - 4. bis 10. April 2011

Sammlungspräsentation Russische Avantgarde, Museum Ludwig, Köln, 2011
Sammlungspräsentation Russische Avantgarde, Museum Ludwig, Köln, 2011

Nach dem unerwarteten Tod von Prof. Dr. h.c. mult. Irene Ludwig im November des vergangenen Jahres (s. BdW 48/2010) ist nun das Testament der bedeutenden Mäzenin eröffnet worden. Die Stadt Köln erhält aus ihrem Nachlass spektakuläre Schenkungen und Dauerleihgaben für das Museum Ludwig und das Museum Schnütgen. Insgesamt 528 Werke aus dem Besitz von Prof. Ludwig bereichern auf Dauer die Kölner Sammlungen. Irene und Peter Ludwig verband stets eine intensive und enge Beziehung mit der Stadt Köln. Angeregt durch einen Besuch der Ausstellung der Sammlung Haubrich im Jahr 1946 in der alten, zum Teil zerstörten Universität, begann das Ehepaar Ludwig 1957, Werke für öffentliche Sammlungen zu erwerben. Erste Leihgaben aus diesen Ankäufen kamen dem Museum Schnütgen in Köln bereits 1963 zugute. Über ein halbes Jahrhundert dauerte das außerordentliche Mäzenatentum dieses engagierten Sammlerpaares, innerhalb dessen es den Kölner Museen unzählige Werke von höchster Qualität zur Verfügung stellte. Einen Höhepunkt dieser unvergleichlichen Liebe zur Kunst bilden dabei sicher die Sammlungen des Museum Ludwig Köln. „Von 1957 an hat es uns angespornt, in Museen durch unsere Erwerbungen Akzente zu setzen, und vollends nach 1968 wurde uns bewusst, was uns vorantrieb: Mit unseren Taten wollten wir Informationslücken schließen. Wir wollten in die Öffentlichkeit bringen, was Bewegung auslöste und den Blick erweiterte", so beschrieb Peter Ludwig die Motivation des Ehepaars. Mit der Schenkung von etwa 400 Werken gaben Irene und Peter Ludwig 1976 den Anstoß zur Gründung des Museum Ludwig. Seit weiteren großzügigen Schenkungen insbesondere in den Jahren 1994 und 2001 - mit dem Beginn der Amtszeit von Direktor Kasper König übereignete Irene Ludwig 774 Werke Pablo Picassos - kann das Museum Ludwig heute die bedeutendste Sammlung der Pop Art außerhalb der USA und die drittgrößte Sammlung Pablo Picassos sein Eigen nennen und zählt damit zu einem der wichtigsten Museen für moderne und zeitgenössische Kunst weltweit. Dieser besonderen Verbindung sowie ihrem engen und freundschaftlichen Kontakt zum Museum Schnütgen verlieh die Kölner Ehrenbürgerin Irene Ludwig auch in ihrem Testament größten Nachdruck und bedachte das Museum Ludwig Köln und das Museum Schnütgen mit spektakulären Schenkungen: Die Stadt Köln erhält das Eigentum an sämtlichen Werken der vor- und nachrevolutionären russischen bzw. sowjetischen Avantgarde, die zum Zeitpunkt des Todes von Irene Ludwig als Dauerleihgabe dem Museum Ludwig überlassen waren. Darunter befinden sich Hauptwerke u.a. von Kasimir Malewitsch, Alexander Rodtschenko und Natalia Gontscharowa. Insgesamt handelt es sich um 473 Werke, darunter 130 Gemälde, Skulpturen und Objekte, 153 Grafiken, 190 Fotografien von 84 Künstlern. Darüber hinaus erhält die Stadt Köln 26 Werke aus der Ausstellung „Von Matisse bis Morimura" aus dem Herbst 2000 im Museum Ludwig, darunter Arbeiten der Klassischen Moderne und der Pop Art von Georges Braque, Edgar Degas, Paul Klee, Fernand Léger, Henri Matisse, Robert Rauschenberg, Kurt Schwitters und Jasper Johns. Diese Werke kamen im Rahmen der Ausstellung als Dauerleihgaben ins Haus und ergänzen unterschiedliche Schwerpunkte der Sammlung. Nicht zuletzt erhält das Museum Ludwig als Dauerleihgabe acht Gemälde und eine Zeichnung aus dem Privatbesitz von Irene Ludwig. Darunter befindet sich der erste Ankauf des Ehepaars Ludwig im Bereich der Klassischen Moderne: ein Frühwerk von Karl Hofer, „Nach dem Bade", aus dem Jahr 1912. Außerdem Werke von August Macke, Fernand Léger, Henri Matisse, Lyonel Feininger, Alexej von Jawlensky, Roy Lichtenstein, Jasper Johns und Jackson Pollock. Die Stadt Köln erhält außerdem das Eigentum an 20 Dauerleihgaben, die zum Zeitpunkt des Todes von Irene Ludwig dem Museum Schnütgen überlassen sind, dazu zählen u.a. ein Ottonisches Reliquienkästchen aus Niedersachsen um 1000-1050, ein Memento Mori aus der Westschweiz um 1520 sowie die jüngst übergebenen sechs Glasmalereien aus dem ehemaligen Kreuzgang des Klosters Altenberg, Köln 1505-1520. Das Museum Ludwig besitzt nun dank dieser Schenkung zahlreicher zentraler Werke der Russischen Avantgarde eine der bedeutendsten Sammlungen außerhalb Russlands.

Museum Ludwig