Gloria Viktoria…

Bild der 7. Woche - 14. bis 20. Februar 2011

Bernsteinfigur der Göttin Viktoria, 2. Jahrhundert n. Chr., Höhe 8,8 cm, Römisch-Germanisches Museum Köln
Detailansicht

Viktoria als Eigennamen ist heute noch gebräuchlich und uns vertraut. Ebenso vertraut ist uns das v-förmige „victory“-Zeichen bei siegreichen Ereignissen z.B. in Politik und Sport. Das lateinische victoria und das davon entlehnte englische victory – sie bedeuten beide „Sieg“. In der Antike gab es eine Göttin des militärischen Sieges bzw. des erfolgreichen Handelns. Diese weibliche Personifikation nannten die Griechen Nike, die Römer Victoria. Sie stellten sie als dahin eilende, bisweilen voran stürmende schöne junge Frau dar, mit großen Flügeln, so dass sie sehr an unsere christlichen Engelfiguren erinnert. Unzählige bildliche Darstellungen der römischen Göttin Viktoria aus unterschiedlichen Materialien sind aus der Antike auf uns gekommen. Aus einem außergewöhnlichen Material besteht eine rundplastische Figur der Göttin, die das Römisch-Germanische Museum bewahrt: Viktoria - aus einem einzigen Stück Bernstein geschnitzt. Die kleinformatige Skulptur ist nur neun Zentimeter groß, jedoch so fein und detailreich gearbeitet, dass die künstlerische Qualität auch der fotografischen Vergrößerung standhält (s. Abbildung). Die geflügelte Siegesgöttin mit aufwändig im Nacken und auf dem Scheitel geknoteter Frisur trägt ein langes, stoffreiches, kurzärmeliges und in der Taille gegürtetes griechisches Gewand, einen chiton. Der dünne Stoff schwingt in den losen Gewandpartien und presst sich glatt an ihr im Laufen vorgesetztes Bein. Denn Viktoria eilt voran, um den Siegerpreis zu überreichen: den Palmzweig, den sie in ihrem linken Arm hält und den Lorbeerkranz, den sie in ihrer rechten ausgestreckten, heute verlorenen Hand trug. Die kleine Viktoria, sicher Erzeugnis einer Kölner Bernsteinwerkstatt, war ursprünglich vielleicht auf ein Gefäß montiert. Sie stammt wohl aus einem Brandgrab des 2. Jahrhunderts n. Chr., das in den 1930er Jahren in Köln-Marienburg ausgegraben wurde. Als Grabgeschenk könnten die Angehörigen die Skulptur ausgewählt haben, um auf das erfolgreiche Leben des Verstorbenen hinzuweisen.

M. Euskirchen