„Tristan“ ohne Schaden – zum Einsturz des Historischen Archivs am 3. März 2009

Bild der 9. Woche - 28. Februar bis 6. März 2011

Josef Weber, 1841 Porträt des Eberhard von Groote Leinwand; 82 x 68 cm Geschenk aus dem Nachlass von Weise, Düsseldorf Kölnisches Stadtmuseum
illustrierte Tristan-Handschrift von 1323 Historisches Archiv der Stadt Köln Best. 7020 [Sonstige Handschriften W*] Nr. 88

Die rechts gezeigte illustrierte Tristan-Handschrift von 1323 (s. Bild rechts) ist auch auf diesem Bild der Woche zu sehen, gehalten von ihrem letzten Besitzer Eberhard von Groote, bevor sie ins Historische Archiv der Stadt Köln gelangte, und dann…? Eberhard von Groote (1789–1864) aus Köln war ein Sohn des tief religiösen, katholischen Oberpostdirektors Everhard vom Groote. Der ehemalige Schüler Ferdinand Franz Wallrafs, der in Köln bei Professor Hamm juristische Privatvorlesungen gehört hatte, bevor er 1809 in Heidelberg mit dem Studium der Rechte begann, war später als Beamter der preußischen Regierung in Köln tätig. Die Bekanntschaft mit Jakob Grimm weckte sein Interesse für die Germanistik. Zu seinen engsten Freunden gehörte auch Sulpiz Boisserée. Sie bildeten den Kern der »Heidelberger Romantik«. Damit einher ging eine Hinwendung zur religiösen Welt des Mittelalters und zum Deutschnationalismus. 1814 trug sich Eberhard als Erster in die Liste der Kriegsfreiwilligen von Köln und Aachen ein, wurde aber nicht einberufen. Er bemühte sich 1815 in das Pariser Feldlager Blüchers, wo er dessen sofortige Unterstützung bei der Wiedergewinnung der aus seiner Heimatstadt Köln geraubten Kunstschätze erreichte. Mit Tatkraft und Rücksichtslosigkeit setzte Eberhard von Groote die Rückführung der Kunstschätze – z. B. Rubens’ Petrus-Kreuzigung – bei den Franzosen durch. Auch für soziale Belange seiner Vaterstadt engagierte sich Groote. Seit 1830 war er Mitglied der Stadtverordnetenversammlung. Sein besonderes Interesse galt der Armenverwaltung, deren Präsident er 1831 bis 1851 war. Aber er engagierte sich ebenfalls für die Kultur seiner Heimat. Das von ihm angeregte »Rheinmuseum« (Rheinisches Landesmuseum, heute LVR-Museum Bonn) errichteten die Preußen nicht in Köln, sondern in Bonn. 1838 gehörte er zu den Gründern des Kölnischen Kunstvereins und war 1840 bis 1849 dessen erster Präsident. Ebenso lag ihm der Weiterbau des Kölner Doms am Herzen. Groote sammelte auch selbst: Auf diesem Porträt hält er – wie schon erwähnt - seine illustrierte Tristan-Handschrift von 1323 in der Hand. Diese befindet sich heute (immer noch!) im Historischen Archiv der Stadt Köln (Best. 7020 [Sonstige Handschriften W*] Nr. 88), denn der Band hat den Einsturz am des Archivs vor zwei Jahren (3. 3. 2009) unbeschadet überstanden, da er sich in der Fotowerkstatt befand, einem der nicht eingestürzten Gebäudeteile. Die Handschrift befand sich im Besitz der Grafen von Manderscheid, bevor sie in die Sammlung Eberhard von Grootes gelangte. Dieser vermachte sie mit seiner Handschriftensammlung seiner Vaterstadt.

R. Wagner