Pferd und Knecht

Bild der 11. Woche - 14. bis 20. März 2011

China Pferd und Knecht, Östliche Han-Dynastie, 2. - 3. Jh. n. Chr. Bronze, Pferd: H 118 cm, Knecht: H 63 cm, Sammlung Ludwig, Museum für Ostasiatische Kunst, DL 96,1 + 96,2

1996 erhielt das Museum für Ostasiatische Kunst eine spektakuläre Dauerleihgabe aus dem Besitz des Aachener Sammlerehepaares Peter und Irene Ludwig: ein Bronzepferd mit Knecht aus der östlichen Han-Dynastie, China, 2. - 3. Jh. n. Chr., - eine absolute Seltenheit in der westlichen Welt. Zwar zeigte das Musée Guimet, Paris, vor einigen Jahren die Leihgabe eines Bronzepferdes in vergleichbarer Größe, doch im Hinblick sowohl auf die Vollständigkeit des Ensembles mit Pferd und Knecht als auch auf die herausragende künstlerische Qualität, die aufwendige Gußtechnik und den ausgezeichneten Erhaltungszustand dürfen die hier vorgestellten Stücke außerhalb Chinas bislang als einzigartig gelten. Es war eine der letzten großen Erwerbungen des 1996 verstorbenen Mäzens Peter Ludwig und seiner vor wenigen Monaten, am 28. November 2010 verstorbenen Frau Irene. Das Pferd ist in einer grazilen, gesammelten Haltung dargestellt, als wäre es bereit, jeden Moment loszustürmen. Der schlanke, geschwungene Hals, der aufgerichtete Schweif, die eleganten, langen Beine ebenso wie die hochgestellten Ohren, die weit aufgerissenen Augen, die geblähten Nüstern und das geöffnete Maul vermitteln einen Eindruck sensibler Gespanntheit und unbändiger Energie. Im Unterschied zu dieser einfühlsamen Naturbeobachtung wirkt die Darstellung des Pferdeknechtes geradezu grob und unproportioniert. Um seinen niedrigen sozialen Rang auszudrücken, gab man ihn im Verhältnis zum Pferd viel kleiner wieder. In der Han-Zeit nahmen die Gräber den Charakter von "Wohnungen für das Jenseits" an. Man stattete den Verstorbenen entsprechend seinem sozialen Status mit den Gegenständen des alltäglichen Gebrauchs und mit allen Symbolen des zu Lebzeiten genossenen Luxus, wie etwa Pferd und Knecht, aus, damit seine Seele im Jenseits standesgemäß weiterleben konnte. Die Tendenz zu immer aufwendigeren Grabausstattungen wurde durch die in der Han-Dynastie zur Staatsreligion erhobene konfuzianische Ethik begünstigt. Diese legte größtes Gewicht auf den Respekt der Kinder gegenüber den Eltern. Durch besonders reiche und kostspielige Grabausstattungen hoffte man, der Ehrerbietung gegenüber den Eltern ewigen Ausdruck zu verleihen. Bisweilen wurde die Jenseitsfürsorge auch genutzt, um die eigene Tugend öffentlich zur Schau zu stellen und daraus Vorteile beispielsweise für die Beamtenkarriere zu ziehen. Zu Lebzeiten wurden die Eltern oft weniger vorbildlich behandelt, ein Mißstand, der schon damals von den Kritikern der aufwendigen Bestattungsriten angeprangert wurde. Aus dem Grabbefund vergleichbarer in Sichuan und Guizhou ausgegrabene Bronzepferde mit Knecht oder Wagen geht hervor, daß es sich ausnahmslos um Gräber hochrangiger Beamter handelte.

A. Schlombs