Mensch und Raum

Bild der 5. Woche - 31. Januar bis 6. Februar 2011

Oskar Schlemmer, Vierzehnergruppe in imaginärer Architektur, 1930, Öl/Tempera auf Leinwand, 91,5 x 120,5 cm, ML 76/2985, Museum Ludwig Köln

Als Maler, Bildhauer und Bühnenbildner verstand Oskar Schlemmer Kunst stets als Raumkunst und betrachtete den Raum in Relation zum menschlichen Körper. Die einzelne Figur im Raum, in Gegenüberstellung mit der Gemeinschaft durchzieht als Thema sein gesamtes Werk. Nie gänzlich abstrakt, doch stets auf Komposition, Ordnung der Formen und Flächen bedacht, wirken seine Werke jedoch nicht konstruiert. Dieses Architektur und Figur verbindende Bild stammt aus der ersten Zeit in Breslau, wo Schlemmer nach dem Ende seiner Tätigkeit am Bauhaus an der Akademie lehrte. Es gehört zu einer Serie von vielfigurigen Kompositionen, die in Zusammenhang mit seiner Arbeit an einem Wandzyklus für den Brunnensaal im Museum Folkwang in Essen entstanden (1934 wurden die Gemälde Opfer des Nationalsozialistischen Bildersturms). Ganz im Sinne seines architektonischen Verhältnisses zur Kunst und gestützzt auf die kunststeoretischen Gedanken in seinem Artikel Mensch und Kunstfigur Kunstfigur, in welchem er den Anspruch allgemeingültiger Typisierung mittels Maskierung und Kostümierung formulierte, sind die dargestellten Männer und Frauen keine Individuen, obwohl sie in Haltung und Gestik unterschiedliche Beziehungen untereinander formulieren. Die typisierte menschliche Figur bestimmt hier als raumstrukturierendes Element den gesamten Bildaufbau, der als Synonym für die Gesellschaftsarchitektur der Moderne gelten kann. Erst 1936 fügte Schlemmer die Grauschattierungen hinzu, um Farbigkeit und Plastizität der Körper zu dämpfen und die Flächen mit dem Raum stärker zu verschränken.

Museum Ludwig