Himmelfahrt Christi

Bild der 20. Woche -18. bis 24. Mai 2009

Meister von St. Laurentz Himmelfahrt Christi, um 1425/30 Detail der Großen Passion, Innenseite des rechten Flügels Leinwand auf Tischlerplatte, 90 x 56 cm Köln, Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, WRM 0031
Meister von St. Laurentz Große Passion, um 1425/30 Köln, Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, WRM 0020-0027, 0029-0031

An drei Stellen der Bibel wird von der Himmelfahrt Christi berichtet: (LK 24, 50f) Er führte sie aber hinaus bis gen Bethanien und hob die Hände auf und segnete sie. Und es geschah, da er sie segnete, schied er von ihnen und fuhr auf gen Himmel. (MK 16,19) Und der Herr, nachdem er mit ihnen geredet hatte, ward aufgehoben gen Himmel und sitzt zur rechten Hand Gottes. (Apg 1, 9-11) Und da er solches gesagt, ward er aufgehoben zusehends, und eine Wolke nahm ihn auf vor ihren Augen weg. Und als sie ihm nachsahen, wie er gen Himmel fuhr, siehe, da standen bei ihnen zwei Männer in weißen Kleidern welche auch sagten: Ihr Männer von Galiläa, was stehet ihr und sehet gen Himmel? Dieser Jesus, welcher von euch ist aufgenommen gen Himmel, wird kommen, wie ihr ihn gesehen habt gen Himmel fahren. Vergleicht man diese Textstellen mit der Darstellung dieser Tafel des sogenannten Meisters von Sankt Laurenz (tätig etwa 1415 – 1430), so fällt auf, dass sich das Gemälde wohl nicht an dem populären Bericht der Apostelgeschichte orientiert, denn es fehlen sowohl die beiden Männer in weißen Kleidern als auch die einhüllende Wolke. Auch die Legenda Aurea, die wichtigste Quelle mittelalterlicher Darstellungen, kann nicht Vorlage gewesen sein, denn auch hier wird die Wolke erwähnt und zusätzlich begleitende Engel und zurückbleibende Fußabdrücke. Entgegen der chronologischen Erzählfolge werden auch 12 Apostel gezeigt, obwohl die Ergänzung der Apostelzahl nach dem Selbstmord des Judas erst nach der Himmelfahrt erfolgte (s. Apg 1,15ff). Dass Maria unter den Aposteln zu sehen ist, orientiert sich an der Apostelgeschichte (Apg 1,14), welche dies jedoch erst unmittelbar nach der Himmelfahrt Christi erwähnt. Zu den Texten der Evangelien passen der Segensgestus Christi sowie die Darstellung des Ölberges in Bethanien (nordöstlich und östlich des Tempelbergs und der Jerusalemer Altstadt) als Ausgangspunkt der Himmelfahrt. Der erwähnten Legend Aurea könnte das rote Gewand Jesu sowie die jubelnden Engel im dunkelgrünen Rahmen am oberen Bildrand entlehnt sein. Der Verzicht auf markante erzählerische Details macht jedoch deutlich, dass dieser Darstellung ihr Hauptaugenmerk auf eine theologische Deutung legt: Christus ist dargestellt als Auferstandener, segnend mit Siegesfahne. Maria und die Apostel sind weniger von der Himmelfahrt überrascht, sondern beten Christus an. Der runde Abschluß des Bildes macht den Himmel als Ziel Christi Himmelfahrt für den Betrachter sichtbar. Christus "verschwindet" nicht ins Unbekannte. Der um ihn gelegte Kreis erinnert nicht nur an die Aureole des wiederkehrenden Weltrichters (s. Apg. 1,11), sondern ist gleichzeitig ein Zeichen des Vollkommen-, des Vollendet-Seins. Hier geht es darum, das Ende des irdischen Wirkens Jesu zu bezeugen. Die Himmelfahrt des siegreichen Christus setzt hier einen Endpunkt. Die versammelte christliche Gemeinde akzeptiert dies und beginnt damit, Gott "im Geiste und in der Wahrheit" (Joh 4,23) zu verehren. Diese Tafel ist Teil eines Altares. Sie gehört zur Innenseite des rechten Flügels der sogenannten großen Passion (s. Bild rechts) und stellt inhaltlich das letzte Thema der Darstellung dar. Während die Innenseite des linken Flügels die Passionsszenen vom Ölberg bis zur Kreuzigung zeigen, sind auf dem rechten Flügel Kreuzabnahme bis Himmelfahrt zu sehen. Die Mitte des Altares ist verloren.

T. Nagel