Zur „höheren Einsicht und Erinnerung“

Bild der 12. Woche - 23. bis 29. März 2009

“Sacri Imperii Colonus” Agrippina, Bl. 35r Historisches Archiv der Stadt Köln (Best. 7030/22, fol. 35r) Aus: Beatrix Alexander – Der Kölner Bauer, Köln 1987, S. 119.
Agrippina, Bl. 90r Historisches Archiv der Stadt Köln (Best. 7030/22, fol. 90r) Aus: Beatrix Alexander – Der Kölner Bauer, Köln 1987, S. 121.

Dieser Tage, wo z. B. der „Kölner Stadtanzeiger“ mit seiner Serie auf die „Schätze aus dem Stadtarchiv“ hinweist, deren Verbleib in etlichen Fällen noch ungewiss ist, soll hier von einem zentralen Bestand die Rede sein: 7030, die Chroniken und Darstellungen. Er enthält Aufsätze, Monographien, Handschriften und Typoskripte, die der Gesamtheit oder auch Einzelaspekten kölnischer Geschichte gewidmet sind. Eines der Glanzstücke der Abteilung ist die Agrippina des Heinrich van Beeck (unser Bild). Es handelt sich um eine illuminierte Handschrift, die von 1469 bis 1472 entstanden ist und die der Autor als Chronik des Heiligen Römischen Reichs versteht und darüberhinaus beabsichtigt‚ „insbesondere dem ehrwürdigen Senat der Stadt Köln zu einer höheren Einsicht und Erinnerung zu verhelfen, von ihrem Ursprung, Mitte und bis zu dieser Zeit alles das Nützliche erwähnen, das ich in bewährten Schriften über Köln gefunden habe“. Von der Handschrift deren Urschrift, Reinschrift und weitere Abschriften (Chron. + Darst. 19 – 23 + 62) im Historischen Archiv aufbewahrt wurden, ist mittlerweile mindestens 1 Exemplar geborgen worden. Wenn auch nicht unbedingt im Auftrag des Rates angefertigt, hat die Agrippina den Ratsherren doch als Lektüre gedient, wie die Supralibros (auf dem vorderen Buchdeckel eingeprägte Besitzvermerke) zweier Exemplare „ex archivo liberae imperialis civitas coloniensis“ belegen. Eine weitere Abschrift befand sich in Besitz der Kölner Kaufmannsfamilie Sudermann, die mehrfach Ratsmitglieder und Bürgermeister stellte und dem gebildeten Patriziat angehörte, was beweist, dass die erste Köln-Chronik von der politischen Führungsschicht zumindest wahrgenommen wurde, wenn auch kein Auftrag erfolgte, sie drucken zu lassen. Dies geschah mit der nächsten, der sogenannten Koelhoffschen Chronik. Die ‚Cronica van der hilliger stat van Coellen’, des Druckers und Verlegers Johann Koelhoff d. J. erscheint 1499. Auch Koelhoff versteht seine Geschichtsschreibung über lokalpatriotische Inhalte hinaus als eine Darstellung ‚vom ganzen deutschen Lande’, was auch Kölns Stellung im Heiligen Römischen Reich reflektiert. In beiden Chroniken wird diese Sichtweise auch ins Bild gesetzt durch die Darstellungen des doppelköpfigen Reichsadlers in Verbindung mit dem Kölner Wappen, oder dem Kölner Bauer, der als einer von vieren im Quaternionensystem – einer Versinnbildlichung der Reichsstände – Köln und sein frühes städtisches Selbstverständnis repräsentierte. Die Neuzugänge der Abteilung reichen bis in die Neuzeit: Neben den drei Bänden des Finanz(ober)rats Paul Klein über die Finanzgeschichte der Stadt Köln aus den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts oder dem kleinformatigen, handgeschriebenen Tagebuchs des Oberheizers Adolf Neumann, der 1914 als einziger den Untergang des ersten „Kreuzer Köln“ überlebte, reichen die Beiträge bis heute. Mögen sie möglichst vollständig erhalten bleiben!

B. Alexander