Bild der 11. Woche - 16. bis 22. März 2009

Ratsprotokoll vom 27. Februar 1602, Historisches Archiv der Stadt Köln (Best. 10 Nr. 51, fol. 291v - 292r)

Wie schon im Bild der vergangenen Woche soll auch heute eine Urkunde des Historischen Archivs der Stadt Köln im Mittelpunkt stehen. In den Medien wurde nach der Katastrophe der vorletzten Woche oft erwähnt, dass das Archiv der Stadt die Protokolle der Ratssitzungen aus vielen Jahrhunderten bewahrte. Eines dieser Protokollbücher steht nun in diesem Bild der Woche im Vordergrund. Am 27. Februar 1602, also vor etwas mehr als 407 Jahren erließ der Rat der Stadt Köln "zum Behuf einer Bibliothek" folgenden, im Protokollbuch (s. Bild) festgehaltenen Beschluss: "Uff die guidestags rentcammer soll verurkündet werden, eyn anzall geldts alle Franckfurther missen zo ingeltung etlicher boicher in jure denen zu kommen zo laissen, die van den hern syndici befellicht, specificirte stuck zo behoiff eyner neuwen bibliothece inzogelden. Gestalt dieselbe beharlich zo behoiff des rhaidt bey dem archivo uff dem rhaidthuiss moegen verpleiben." Dies war faktisch die Gründung einer juristisch-politischen Handbibliothek für Rat und städtische Syndici. Wie der Text besagt, umfasste der Bestand hauptsächlich Werke aus den Bereichen der Rechts- und Staatswissenschaften, die vornehmlich auf der Frankfurter Messe erworben wurden. Hinzu kamen historische Quellentexte. Mit der Zeit erhielt die Bibliothek durch Schenkungen und Vermächtnisse auch Büchern aus anderen Fächern. Zudem sollten alle Buchhändler und Drucker in Köln Pflichtexemplare abführen, was aber wohl nicht sonderlich beachtet wurde. Zur Mitte des 17. Jahrhunderts umfasste die Syndikatsbibliothek schon über 800 Nummern. Es ist eine der wenigen Kölner Bibliotheken, die in französischer Zeit kaum Verluste erlitten hat. Im Jahr 1824 ergab eine Zählung 1.040 Nummern in 1.817 Bänden. Einen großen Zuwachs erfuhr die städtische Bibliothek in eben diesem Jahr 1824 durch das Vermächtnis von Ferdinand Franz Wallraf. Dessen Bibliothek umfasste nahezu alle wissenschaftlichen Gebiete; einzigartig waren die Druckwerke zur rheinischen und besonders zur kölnischen Geschichte. Sie bestand aus 521 Handschriften, 1.055 alten Drucken und 13.248 weiteren Druckwerken. Damit wandelte sich der Charakter der städtischen Bibliothek: Sie war nun eine vielseitige öffentliche Bibliothek. Es geschah in der Folgezeit aber nicht nur wenig für die Vermehrung des städtischen Bücherbestands, sondern es gelang nicht einmal, die alten Bestände vor Verlusten zu bewahren.

R. Wagner