Der “Nachlass” des Hermann von Goch

Bild der 16. Woche - 20. bis 26. April 2009

verschiedene Siegel des Hermann von Gogh Kölnisch, 14. Jahrhundert Köln, Kölnisches Stadtmuseum

Als im Jahr 1887 der damalige Stadtarchivar Konstantin Höhlbaum vorschlug, „ein historisches Museum, dessen sich kleinere Städte längst erfreuten“ zu gründen, ließ er seinen Worten umgehend Taten folgen und ein „Verzeichnis der kölnischen Siegel, Fahnen und alten Geräthschaften, welche z. Z. im Stadtarchiv zu Köln aufbewahrt werden“ erstellen (s. HAStK, Best. 611/8; eine Kopie des Verzeichnisses befindet sich im Kölnischen Stadtmuseum). Die Auflistung umfasst gut 300 Nummern und stellt sozusagen das Geburtstagsgeschenk für das Historische Museum dar, das im August 1888 in der Hahnentorburg seine erste Bleibe findet. No 50 der Liste, das „S. Hermanni de Goch civis Col. Silber mit langer Kette“, also das persönliche Siegel des Kölner Bürgers Hermann von Goch, stellt zusammen mit anderen Utensilien, die ihm zugeschrieben werden, einer der großen Schätze des heutigen Kölnischen Stadtmuseums dar. Hermann von Goch, von dessen Lebensdaten nur sein Tod bekannt ist, war einer der (einfluss)reichsten Bürger im Köln des 14. Jahrhunderts. Dies dokumentieren auch die Habseligkeiten, die er bei sich trug, als er zum letzten Mal gefangen genommen und wegen Hochverrats angeklagt wurde: Neben einem silbernen Löffel, einem Messer in ornamentiertem Futteral sind insbesondere mehrere Beutelchen für die verschiedenen Geldsorten Indiz für seine Stellung als früher Bankier und Geldverleiher. Die Sachen selbst - teils aus Brokat oder Seide oder mit Perlenstickerei verziert – sind von feiner Ausführung. Darüber hinaus trug Hermann Münzprobiernadeln, einen Goldprobierstein und mehrere Siegel seiner Söhne neben seinem persönlichen bei sich. Sein grünseidener Gürtel maß 97 cm ohne Schnalle, was eine Vorstellung von seinem Leibesumfang gibt, wenn auch kein Porträt von ihm existiert. Der Bewahrer des erzbischöflichen Siegels und Diener an mehreren Adelshöfen gelangte zu Reichtum und investierte in mehrere großräumige Immobilien in Köln. Als vom Niederrhein zugezogener ‚Aufsteiger’ war seine Stellung im Patriziat der herrschenden Klasse in Köln nicht unangreifbar und in Folge verschiedener Rechtshändel geriet er mehrmals ins Gefängnis. Durch den Aufstand der Zünfte gegen die Herrschaft der Geschlechter, der führenden Familien der Stadt, entstand im September 1396 eine neue Stadtverfassung, der Verbundbrief. Fortan stellten die Zünfte den Rat und der Rat wählte die beiden Bürgermeister. Ob Hermann von Goch mit Verschwörern wie Hilger Quattermarkt von der Stessen und Lufard vom Schiederich eine Konterrevolution plante oder diese tatkräftig unterstützte, bleibt unklar. Am 7. Mai 1398 wurde er auf dem Richtplatz am Judenfriedhof vor der Stadt hingerichtet. Die Habseligkeiten, die er bei seiner letzten Gefangennahme bei sich trug, bewahrte die Stadt über 6 Jahrhunderte auf und auch heute erinnern sie – sorgsam restauriert – an einen Kölner Bürger.

B. Alexander