Wo sind sie geblieben?

Bild der 33. Woche - 13. bis 20. August 2007

Tischwecker, Metall, Kupferblech, teils farbig bemalt, Glas, Uhrwerk Kaiser, West Germany, 50er Jahre? H.:18 cm; B.: 17 cm; T.: 7 cm (max.) Köln, Kölnisches Stadtmuseum

Das reich ornamentierte Weckergehäuse wird vom Kölner Dom gekrönt und seitlich von Waldheinzeln - das legen jedenfalls Fliegenpilzmützen und Rehkitz nahe - flankiert. Möglicherweise ist das Arrangement als Fingerzeig auf den Verbleib der hilfreichen Wichte(l) zu verstehen: Nachdem sie durch die neugierige Schneidersgattin aus der Domstadt vertrieben wurden, wandten sie sich gen Süden Richtung 7Gebirge und verschwanden in den Wäldern; wahrscheinlich in der Gegend um den Drachenfels.

"Wie war zu Cölln es doch vordem, Mit Heinzelmännchen so bequem", beginnt das wohl bekannteste Gedicht über sie von August Kopisch (1799-1853) aus dem Jahr 1836, das in der achten und letzten Strophe bekümmert ihr Verschwinden konstatiert: "O weh nun sind sie alle fort und keines ist mehr hier am Ort!(...) Ach, daß es noch wie damals wär! Doch kommt die schöne Zeit nicht wieder her!"

Die erste Kunde von den Heinzeln erreichte Köln jedoch bereits 10 Jahre zuvor: 1826 berichtete Ernst Weyden in seinem Buch "Aus Cöln's Vorzeit" von 'kleinen nackenden Männchen, (...) die allerhand thaten, Brodbacken, waschen und dergleichen Hausarbeiten mehrere'. Bemerkenswert an dieser ersten Beschreibung ist, dass die Männchen eher als Haussklaven denn als Handwerker und nackt, also ohne ihr typisches Erkennungsmerkmal, die Zipfelmütze, daherkamen.

1828, bereits zwei Jahre danach, paraphrasiert der Ire Thomas Keightley diese Version in seiner "Fairy Mythology", die noch im selben Jahr auf deutsch als "Mythologie der Feen und Elfen" erscheint. Doch erst Kopisch setzt ihnen in seiner Ballade das lyrische Denkmal, nach dem die Kölner ihr steinernes bastelten: Den Heinzelmännchen-Brunnen am Hof. (Typisch für Köln und seine mediterrane Mentalität ist, dass der vom Kölner Verschönerungsverein gestiftete und von Edmund und Heinrich Renard entworfene Brunnen nicht pünktlich zum 100. Geburtstag des Dichters anno 1899 fertiggestellt wurde, sondern erst ein Jahr später.) Auch wenn der Brunnen zum Lieblingsobjekt touristischen Profanarchitekturinteresses avancierte (knapp gefolgt von der Hohen Domkirche und der Bahnhof nah gelegenen McDonald's-Filiale), ist er nicht letztes Relikt Kölner Heinzelmännchenexistenz. Schlägt man das Örtliche auf, finden sich etliche Belege dafür, dass sie nicht alle fort sind. Hilfreich heißt es 'Zahnarzt Dr. Günther Heinzel', oder 'Dipl.-Psych., Klin.-Psych. Psychotherapeutin, Supervisorin - BDP Helga Heinzelmann' und womöglich nach langem Exil zurück ist endlich auch 'Genovese Friedrich Jakob Heinzelmann'. Ohne Zweifel, es gibt sie noch, die Kölner Heinzelmännchen.

B. Alexander