Von der Schmier- zur Komödienstraße

Bild der 20. Woche - 15. bis 21. Mai 2007

Ruine des am 16. Februar 1869 abgebrannten Stadttheaters in Köln, (Leipziger Illustrirte v. 13. 3. 1869), Holzstich nach N. v. Römer, Blattausschnitt = Zg.: 16, 6 x 23,4 cm. Kölnisches Stadtmuseum – Graphische Sammlung

Das große Haus der Kölner Bühnen – kurz Opernhaus genannt – feiert in dieser Woche am 18.05. sein 50-jähriges Bestehen. Dies ist Grund genug, einmal weiter zurückzublicken in die Vorgeschichte Kölner Theater, auch wenn diese – wie hier zu sehen - in Asche und mit 7 Toten endet. Jahrhundertelang hatte es in Köln keinen festen Theaterbau gegeben, Bühnen hatten immer nur temporären Charakter, seien es die Bühnen für kirchliche Schauspiele, seien es die Bühnen der zahlreichen Wandertruppen. Im 18. Jahrhundert gab es einige kurzlebige Bretterbuden, unbeheizt und instabil, ansonsten wurden Zunftsäle genutzt oder das städtische Kaufhaus am Quatermarkt. 1768 gab es ein erstes stehendes Theater für angeblich 3000 Zuschauer am Neumarkt, errichtet durch Joseph von Kurtz, der diesen vierstöckigen Fachwerkbau aus Frankfurt mitgebracht hatte. Diese „Deutsche Schaubühne“ war schon nach elf Jahren baufällig 1782 erhielt der Bürgerhauptmann, Weinzapfer und Tanzsaalbesitzer Franz Caspar Rhodius die Erlaubnis, auf der Schmierstraße neben seiner Redoute ein gemauertes Komödienhaus durch den Stadbaumeister Johann Caspar Dechen errichten zu lassen. Dafür wurde er von den bürgerlichen Lasten des Grundstücks befreit und privilegiert: Alle wichtigen, gegen Entgelt organisierten Lustbarkeiten mussten im neuen Komödienhaus stattfinden. Eröffnet wurde es Ostern 1783. Der unbekannte Bau, 35 m lang, 16,90 m breit, 10 m hoch, trug die Aufschrift: MUSIS GRATISQUE DECENTIBUS 1783, seine Fassade soll nicht ganz geschmackvoll gewesen sein, die hier angebrachten Sandsteinvasen wurden jedoch 1790 für die Apostelnkirche nachgebildet. Die 12,50 m x 15 m große Bühne wurde von Zeitgenossen als zu klein beklagt. Der Zuschauerraum bildete ein Amphitheater in Form eines spitz zulaufenden Ovals mit drei Stockwerken. 1805/6 erhielt er eine von Matthias Joseph De Noël entworfene, von Ferdinand Franz Wallraf inspirierte und von Maximilian Fuchs (1767–1846) ausgeführte neue, an Allegorien und Bildwerk reiche Ausstattung, dabei ersetzte der neue Empirestil im „egyptischen Geschmack“ das Rokoko-Ambiente. Um Zuschauer nicht mit Wagenrasseln zu belästigen, wurde die Schmierstraße jeden Abend mit einer eisernen Kette abgesperrt. Im Zuge der Reformierung der Straßennamen wurde die Schmierstraße 1812 in Komödienstraße umbenannt, das Theater befand sich auf Höhe der Nr. 40/42 Schon Wallraf beschäftigte sich in französische Zeit mit einem Neubau. 1817 hatte der Stadtrat ein Theater-Comité ins Lebern gerufen. 1826 wurde der Theater-Actien-Verein zur Finanzierung des Neubaus gegründet. Allerdings erwies sich die gedachte Dividende von 4 % als nicht realisierbar. Es gab – wie sollte es in Köln anders sein – Streit um den Bauplatz für den Theaterneubau. Schließlich blieb man beim alten Platz und dabei, dass die Sache in Hand einer Privatgesellschaft liegen sollte. Diese beauftragte den Köln-Pariser Architekten J. J. Hittorf mit einem Entwurf, der viel Zustimmung fand, dessen Ausführung aber letztendlich als zu „aufwandsvoll“ erschien. Der Neubau erfolgte dann durch den einheimischern Baumeister Matthias Biercher. Die Grundsteinlegung war am 8. 11. 1827, die Eröffnung am 19. 1. 1829. Das neue Theater mit der Inschrift: LUDIMUS EFFIGIEM VITAE (Wir spielen ein Abbild des Lebens) über dem Eingang fand ungeteilten Beifall wegen seines schönen, auf Rot, Gold und Weiß abgestimmten Innenraums und der guten Akustik. Der Zuschauerraum war als Logentheater mit drei Rängen und einer Galerie konzipiert und bot 1540 Zuschauern Platz. Die Bühne war mit 21,20 m x 27,90 m eine der größten in Deutschland. Im Juli 1859 brannte das Theater nieder. Es wurde nach den Köln-üblichen Diskussionen am alten Platz wieder aufgebaut und am 1. 9. 1862 wieder eröffnet. Auch dieses Theatergebäude gehörte einer Aktiengesellschaft, die es an einen Direktor verpachtete. Am 16. 2. 1869 brannte es erneut ab. Dabei kam die 7-köpfige Familie des Kassierers Backhaus in den Flammen zu Tode. Die Ursache blieb ungeklärt, hing aber wie viele Theaterbrände damals mit dem zur Beleuchtung verwendeten Gas zusammen. Der Bauplatz hatte als so brandgefährdet gegolten, dass keine Versicherung bereit gewesen war, das Theater zu versichern. Das nächste Theater wurde dann nicht mehr an dieser Stelle errichtet, sondern an der Glockengasse.

R. Wagner