35 Ecken und 5 Kugeln

Bild der 13. Woche - 26. März bis 1. April 2007

Walter de Maria. 5 Through 9, 1973-74, Poliertes Aluminium mit Aluminiumkugeln, 5 Teile, je 121 cm Durchmesser, Köln, Museum Ludwig, ML/76 Sk 0308

Häufigere Besucher des Museum Ludwigs werden dieses Werk Walter de Marias sicherlich kennen. Seit Jahrzehnten, genauer seit 1975, also noch vor der Gründung des Museum Ludwigs, ist dieses Werk der Minimal Art in Köln zu sehen. "5 Through 9" ist eine für die Minimal Art charakteristische Arbeit. Fünf Figuren, vom Fünfeck bis zum Neuneck, einfache geometrische Strukturen, bilden Kanäle für in ihnen ruhende Aluminiumkugeln. Die Geschlossenheit der Polygone wird durch die Kugeln zugleich bestätigt und hintertrieben. Einerseits lenken die Formen ihre Beweglichkeit in eine geometrische Bahn, deren statische Ordnung andererseits gleichzeitig gelockert und entspannt wird. In der mit der Eckenzahl (Fünfeck / Neuneck) zunehmenden optischen Nähe zum Kreis nimmt der Betrachter die Spannung von Statik (Fünfeck) und beginnender Dynamik (Neuneck) wahr. Während das Fünfeck sperrig und unbeweglich wirkt, ähnelt das Neuneck bereits einem Rad. Eine weitere Spannung entsteht durch die unterschiedlichen Oberflächen von Kugeln und  deren "Bahnen". Die reine Materialität des Metalls vermittelt dem Betrachter das Gefühl der Schwere des Werkes. In dem Moment jedoch, wo man die bleierne Mattheit der Kugeloberflächen wahrnimmt, relativiert die spiegelnde Oberfläche der Eckkonstruktionen diesen Eindruck wieder. Wenn etwas an dieser Arbeit schwer ist, dann diese - in Wirklichkeit sind die Kugeln durch die Ausführung in Aluminium jedoch überraschen leicht. Die Reduzierung der bildnerischen Mittel, verbunden mit einer konsequenten Verweigerung jedweden ikonografischen Bezugs, ist ein wesentliches Kennzeichen der Werke von Walter de Maria. Er wußte sich darin in Übereinstimmung mit einer Künstler-Generation, deren Minimalismus den tradierten Werkbegriff grundsätzlich in Zweifel zog. Bekannt wurde der 1935 in Kalifornien geborene und in New York lebende Künstler Walter de Maria durch seine Arbeit "Vertikaler Erdkilometer" zur documenta VI 1977 in Kassel, ein kleines 1000 m tiefes Loch, das sich unsichtbar für den Betrachter in die Tiefe erstreckt. Mit seinen Werken gab er entscheidende Impulse zu einer Verknüpfung der Ansätze von Minimal und Land Art (s. z. B. "lightning field " oder "The Broken Kilometer").

U. WilmesT. Nagel