Resurrexit

Bild der 15. Woche - 12. bis 18. April 2007

Meister von Sankt Laurentz, Auferstehung, Detail aus einem Altarflügel, um1425/30, 90 x 56 cm, Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, WRM 0029
Meister von Sankt Laurentz, Auferstehung, Detail aus einem Altarflügel, um 1420, Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, WRM 0737
Meister des Heisterbacher Altars, Auferstehung, Detail aus einem Altarflügel des Heisterbacher Altares, um 1445/50, Eichenholz, 102 x 75 cm, Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, WRM 0762

Diese mit einer Höhe von 90 cm nicht ganz kleine Tafel bildete zusammen mit weiteren 5 Tafeln den rechten Außenflügel eines Flügelaltares. Addiert man die Maße, so wird der gesamte Altar im geschlossenen Zustand mindestens 1,85 m hoch  und 3,60 m breit gewesen sein (s. Rekonstruktion im Größenvergleich rechts), mit geöffneten Flügeln somit über 7 Meter: Ein gewaltiges Werk also, daß im Rahmen der Säkularisation Kölner Kirchen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts "auf dem Markt kam". Kein Wunder, daß die Flügel des Altares bei ihrer urkundlich ersten Erwähnung den Themen nach bereits in einzelne Tafeln zerschnitten waren. Wir finden sie in den 1840er Jahren im Besitz des Kölner Buchhändlers Johann Georg Schmitz (gest. 1845). Wie die Mitte des Altares aussah, ist unbekannt. Es kann sich um eine gemalte Tafel gehandelt haben, aber auch um einen schreinartigen Aufbau mit plastischen Darstellungen. Welcher Maler diesen Altar und damit auch diese Tafel gemalt hat, war lange umstritten. Im Bestandskatalog zur Altkölner Malerei (1990) weist Frank Günter Zehnder dieses Werk dem namentlich nicht bekannten Meister von Sankt Laurenz zu. Dieser prägte als Schüler des Meisters der Heiligen Veronika die Kölner Malerei der Jahre 1415-1430. Als ein Argument für diese Autorenschaft zog Zehnder die große kompositorische Nähe dieser Szene zu der Auferstehungsdarstellung im (namengebenden) Hauptwerk des Meisters (s. Bild rechts) heran. Bei beiden (von der biblischen Schilderung des Grabes abweichenden) Darstellungen steht der Sarkophag quer im Bild. Vier Soldaten, welche den Ort des Begräbnisses bewachen sollen, sind an den vier Ecken positioniert. Auf beiden Tafeln liegt der Soldat vorne rechts schlafend auf einem kleinen Erdhügel, während die anderen drei hockend oder sitzend schlafen. Auch wenn Haltung und Gewandung Christi auf beiden Tafeln nahezu gleich sind, so wiederholt der Maler die Komposition nicht einfach, sondern variiert sie in vielen Details. Der sich auf den Sarkophag aufstützende Soldat ist einmal rechts und einmal links angeordnet. Der links vorne hockende Soldat dreht dem Betrachter einmal das Gesicht und einmal den Rücken zu. Der Schritt Christi geht einmal auf den Boden neben das Grab und damit in der Bewegungsrichtung zur Seite, einmal auf den Deckel und damit formal in die Höhe. Auf dieser Tafel macht Christus den Schritt nach rechts, da die Gesamtkomposition des Altarflügels (s. kleine Rekonstruktion) in die Breite angelegt ist. Der Altarflügel des Beispiel rechts dagegen war hochformatig ausgerichtet. Die Dynamik der Auferstehung, in welcher Richtung auch immer, wird besonders betont durch die zu den Seiten hochstrebende Horizontlinie und den geneigten Steinsarkophag. Deutlich wird dies besonders, wenn man diese Tafeln mit der leider schlecht erhaltenen, späteren Auferstehungsdarstellung des Meisters des Heisterbacher Altars vergleicht (s. 2. Bild rechts). Malerisch ist dieser Künstler weiterentwickelt (z. B. in der Schattenbehandlung und den Körperverkürzungen), mehr "Auferstehungsdynamik" hat jedoch unsere Tafel.

T. Nagel