Schmuckvolles Stilleben

Bild der 12. Woche - 19. bis 25. März 2007

Frans Snyders, Stilleben mit Früchtekorb, 30er Jahre des 17. Jhs., Öl auf Eichenholz, 99 x 156 cm, Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, Köln, WRM 1350
Januarius Zick, Der Fuchs im Eisen, ca. 1770-1780, Öl auf Leinwand, 27 x 22 cm, Mittelrhein-Museum, Koblenz

In der Ausstellung "Tierschau" im Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud ist dieses Bild innerhalb der sieben Ausstellungsabteilungen in das Kapitel "Gewalt und Liebe" eingereiht und steht zeitlich im Vorfeld einer Entwicklung, die um die Mitte des 18. Jahrhunderts sichtbar wird: Das Tier wird immer weniger als seelenloser Automat und immer stärker als Wesen mit Gefühl und Empfindung verstanden. Die Bilder, in welchen Tiere allein wegen ihres Schmuck- und Trophäencharakters zum Bildthema wurden, kamen aus der Mode und wurden immer mehr ersetzt durch Werke, in denen beispielsweise die Mutterliebe einer Hündin gezeigt wird oder die Qualen eines Fuchses im Fangeisen (s. Bild rechts). In diesem Gemälde des flämischen Tiermalers Franz Snyders sind die Tiere – fast alle - tot, bereitet für etwas, was nach einem Festmahl aussieht. Snyders galt als der beste Maler von (toten) Tieren seiner Zeit. Das opulente Stilleben zeigt zweierlei: Erstens wie großartig Snyders malen konnte und zweitens allerlei mehr oder weniger versteckte Symbole. Bei den toten Tieren handelt sich von links nach rechts um Singvögel, eine Schnepfe, einen Fasan und einen Hummer. Ganz rechts schleicht sich eine Katze heran, und über die Früchte im Korb machen sich ein Vogel und ein Eichhörnchen her. In Anbetracht der Gepflogenheiten der Epoche kann man davon ausgehen, dass das vermeintlich lockere Arrangement einer sorgfältig kalkulierten Methode folgt. Snyders malte seine Tiere entweder in Analogie zu den Elementen, den fünf Sinnen oder den Jahreszeiten. Der offensichtliche Luxus der ausgebreiteten Waren wird wohl auch die damals übliche Anklage gegen die Maßlosigkeit enthalten. Das gehörte sich so, und damit kaufte man neben der Pracht gleich die Moral mit ein. Aber das waren Konventionen, und spätestens ab dem zehnten Gemälde dieser Art dürfte es vor allem um die Malweise und die Kunstfertigkeit gegangen sein. Die feine Maltechnik setzt genaue Beobachtung voraus. Man kann nur so detailliert malen, wenn man so malen will und sich für alle äußerlichen Details interessiert. Die verschiedenen Oberflächen der Felle und des Gefieders so wiederzugeben, dass man ihre Stofflichkeit zu fühlen glaubt, damit konnte Snyders seine Kunden und die Nachwelt begeistern. Wofür sind die Tiere jedoch getötet worden? Sind es alles jagd- und essbare Tiere? Wurden sie gejagt, um gemalt oder um als Trophäen ausgestopft zu werden? Kommentiert Snyders das sinnlose Töten, indem er den toten Tieren lebende hinzugesellt? Wohl nicht, denn mit unterschwelliger Kritik dürfte das Arrangement wenig zu tun haben. Nur wer selbst in der Lage war, an Jagden teilzunehmen, dürfte so ein Gemälde erworben haben.

A. Blühm