Hoher Besuch

Bild der 8. Woche - 23. Februar bis 1. März 2007

Stefan Worring, das Kölner Dreigestirn im Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, Januar 2007. Foto: Stefan Worring / Kölner Stadtanzeiger
Stefan Lochner, Madonna in der Rosenlaube, um 1442, Köln, Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, WRM 67

Erstmalig besuchte das Kölner Dreigestirn am 16. Januar 2007 das Wallraf-Richartz-Museum. Anlaß war die Übergabe eines Facsimilie-Druckes des sogenannten Statz-Aquarelles, einer Vorwegnahme des vollendeten Domes aus dem Jahre 1861. Der historische Moment war schon fast vorbei, da bat der Fotograf Stefan Worring zu dieser Aufnahme, deren Ausstrahlung sich wohl keiner entziehen kann. Ein Kunstkenner schrieb daraufhin dem Direktor: Das Bild „macht das Museum vielleicht für gewisse Leute menschlicher, hebt es vom Sockel, ohne dass sich bei einem Besuch die Inhalte vom Sockel heben lassen. Ich denke, dies ergibt eine Wechselwirkung, der Besuch verankert das Museum wieder ein wenig mehr in der Stadt und auch das Dreigestirn darf sich durch den Besuch des hohen Hauses ein wenig mehr in der Stadt verankert wissen. [...] Mir all sin nicht Wallraf [Anm.: Das Motto des Rosenmontagszuges ist: Mir all sin Kölle!] , aber jetzt ist Wallraf wieder ein Stückchen mehr von uns. Das war kein Bild des Dreigestirns, das so einfach vorübergeht, wie die unzählig gesehenen aus dieser und den letzten Sessionen, beliebig austauschbar die Gesichter und Hintergründe." In der Tat hat das Foto eine kompositorische und inhaltliche Ausstrahlung, die über den flüchtigen Moment hinausgeht. Die Rückenansicht von Personen im Bild ist ein lang erprobtes künstlerisches Element, den Betrachter mit ins Bild zu nehmen. Er soll sich den dargestellten Personen anschließen. Unterstützt wird dies in diesem Bild durch die „saugende“ Wirkung der weißen Fußleisten. Der Bildraum ist nicht sehr tief, der Betrachter wird also nicht in „unendliche Tiefen“ entführt. Was vor ihm liegt, ist nahe liegend, leicht erreichbar, unmittelbar vorhanden. Die Wirkung des Fotos ist noch einmal anders, wenn man weiß, dass die Liebe von Prinz Jacky I. (Josef Beumling, sitzend) zur Kunst auch einen beruflichen Hintergrund hat. Auch ohne sein Gesicht zu sehen wirkt sein Interesse an der  Kunst überzeugend. Während er sich bei den drei Monets der Seineansicht von Asnières zuwendet, betrachtet die Jungfrau Antonia (Jörg Anton Kaltwasser) Monets Seerosen, Bauer Walter (Walter Hüsch) gefällt vor allem die Wandfarbe. Nun kommt auch die neue Konzeption der Museumsräume zum Tragen. Mit sicherem Gespür hat der Fotograf den Raum ausgewählt, der in seiner Farbigkeit die traditionellen Gewänder des Dreigestirns besonders zur Geltung bringt. Dieser Farbklang ist nicht zuletzt eine der tragenden Elemente für den Reiz des Bildes. Er erinnert in seiner „lieblichen“ Ausgewogenheit an eine Kölner Farbskala, die, als typisch „kölsch“ gerühmt, vor 500 Jahren in der Kölner Malerschule aktuell war (s. Bild rechts). Selbst die Herrscher-Ikonographie dieses Dreigestirns ist auf dieser Aufnahme korrekt: Der eigentliche Herrscher thront, seine „weibliche Begleitung“ steht ihm zur Rechten, der persönliche Beschützer hat stehend von den Überblick. Wenn es Sie interessiert, hier die „Bilder der Woche“ zum Karneval aus den letzten Jahren: Veedelszoch 1956, BdW 09/2006 Leichte Alkoholprobleme, BdW 09/2003 Ausnahmezustand im Bild, BdW 07/2002 Geisterzug in Köln, BdW 08/2001 Einer ist schon drin!, BdW 10/2000

T. Nagel