Bild der 39. Woche - 25. September bis 1. Oktober 2006

Blick in die Mittelalterabteilung des Museums: Die Vitrine mit Lochners Muttergottes in der Rosenlaube umgeben von Kölner Gemälden der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts
Die alte Rahmung (links) und die neue Rahmung (rechts) des Bildes.
Stefan Lochner, Muttergottes in der Rosenlaube, Eichenholz, 47,4 x 37 cm (Bildgröße), entstanden um 1440-42. Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, Inv. Nr. WRM 67
grün/schwarze Marmorierung, Detail der Rückseitenbemalung, linke obere Ecke der Tafel

In Tagespresse, Funk und Fernsehen machte in den vergangenen Wochen das Wort vom Lochner-Code die Runde. In einer kleinen Serie zeigte das „Bild der Woche“, welche geheimen Botschaften der berühmteste spätmittelalterliche Kölner Maler in seinem weltbekannten Madonnenbild versteckt hatte. In dieser fünften Folge geht es um die Folgen für Präsentation des Bildes: Schon vor Beginn der jüngsten Recherchen zu Thematik, Bildgeometrie und Funktion der „Muttergottes in der Rosenlaube“ reifte der Beschluß, das Gemälde neu zu rahmen und dabei vor allem auf das völlig ahistorische, den Bildeindruck jedoch stark beeinflussende Samt-Passepartout zu verzichten (s. Bild rechts). Mit Abschluß der Forschungsarbeiten lagen genügend Hinweise vor, um diese Neurahmung in Angriff zu nehmen. Tatsächlich wurde mit der Rekonstruktion des Bildes als Diptychon-Flügel eine Veränderung der musealen Präsentation sogar zwingend notwendig, denn die bisherige Hängung als Galeriebild verstellte den Blick auf den ursprünglichen Funktionszusammenhang und verhinderte eine Betrachtung der bemalten Tafelrückseite (s. Bild rechts). Es bot sich an, den räumlichen (und damit kunsthistorischen) Zusammenhang zu wahren, das Bild jedoch in einer freistehenden Vitrine zu platzieren. In der Blickachse einer langen Raumfolge signalisiert diese Vitrine nun schon von weitem die Bedeutung des Objektes. Mit Rücksicht auf die Gestaltungskriterien des Museums-Architekten Oswald Mathias Ungers erschien es sinnvoll, eine schlichte, außen durchgehend bündige Vitrine zu wählen und das im Neubau des Wallraf-Richartz-Museums allenthalben zur Geltung kommende Grundmaß von 96 cm (= 40 Kölner Zoll) zu verwenden. Mit dieser Breite fügt sich die Vitrine genau in das Parkettmuster ein, das seinerseits wiederum dem Deckenspiegel entspricht. Auch korrespondiert sie auf diese Weise mit dem Volumen der Sitz-Möbel, die in den übrigen Sälen an vergleichbarer Stelle stehen. Auf größere Distanz gesehen antwortet der innere, gestufte Aufbau der Vitrine nicht nur der Staffelung von Durchgängen in der Abfolge der Museumssäle, sondern suggeriert zugleich auch ein kleines „Monument“, was gerade in der räumlichen Nähe zum einstigen Lochner-Haus sowohl der Bedeutung des Bildes als auch der seines Malers Rechnung trägt. Mit der Neuordnung des Lochner-Saales entstand nun ein panoramatischer Überblick über ein halbes Jahrhundert der Kölner Madonnendarstellung: Vom Meister der Hl. Veronika als Hauptvertreter des Schönen Stils über dessen Schüler, den Laurenzmeister, hin zu Lochners Meisterwerk und schließlich der Vermarktung durch die Lochner-Werkstatt. Die einzigartige und herausragende Stellung der „Muttergottes in der Rosenlaube“ wird für den Besucher unserer Galerie jetzt unmittelbar anschaulich.

R. Krischel