Zum zehnten Todestag von Peter Ludwig

Bild der 30. Woche - 26. Juli bis 1. August 2006

Pablo Picasso, Musketier und Amor, 1969, Öl auf Leinwand, 194 x 130 cm, Stiftung Ludwig 1976, Museum Ludwig, Köln
Peter Ludwig

Peter Ludwig hat sich seit Beginn seiner kunsthistorischen Laufbahn mit dem Werk des spanischen Künstlergenies Pablo Picasso beschäftigt. Seine Dissertation schrieb er über „Das Menschenbild Picassos als Ausdruck eines generationsmäßig bedingten Lebensgefühls“.  Er trug mit seiner Frau Irene die größte private Picasso Sammlung weltweit zusammen. Die Sammlung gibt einen Überblick über sämtliche Schaffensphasen und Techniken, in denen Picasso gearbeitet hat. Sie reicht vom Porträt, das der Neunzehnjährige von seinem Vater anfertigte bis zum Selbstbildnis mit Hut, das der Einundneunzigjährige kurz vor seinem Tod schuf. Die Sammlung enthält umfangfreiche Grafik-Zyklen wie die ‚Suite Vollard‘, Skulpturen wie die ‚Frau mit Kinderwagen‘ und Keramiken. Peter Ludwig war mit seiner Frau Irene einer der ersten, der das Spätwerk Pablo Picassos entdeckt hat, als es von der Kunstwelt noch argwöhnisch beäugt wurde, wenn nicht als minderwertig eingestuft wurde. Die Werke des alten Mannes galten als Überlebensversuch eines an seinem Erfolg Gescheiterten. Peter Ludwig entdeckte das Spätwerk in den sechziger Jahren in der Luzerner Galerie Rosengart. Hier erwarb er bei einer Ausstellung 1969 dieses Gemälde „Musketier und Amor“. Es war das einzige Werk der gesamten Ausstellung das einen Käufer fand. Ludwig erwarb noch zahlreiche weitere Werke aus Picassos später Schaffensphase, einige hochrangige Gemälde schenkte er dem Museum Ludwig. Hierunter ist auch „Musketier und Amor“ von 1969, das in merkwürdiger Weise die mythologische Figur des Amor mit der des Musketiers, dem Inbegriff von Männlichkeit und Stärke, verbindet. Lust, Liebe und Erotik sind die Themen, die in Picassos Gemälden in Verbindung mit der Figur des Musketiers auftauchen. Hier wird der Musketier eher verhalten, als sitzende Figur mit Amor auf seinem Knie dargestellt. Amor, der Ähnlichkeit mit einem Putto hat, hält Pfeil und Bogen in die Höhe, wen er damit treffen will, ist ungewiss. Das Gemälde ist fast ausschliesslich in den Grundfarben blau, rot und gelb gestaltet, Kleidung und Attribute des Musketiers sind in geometrischen Formen angedeutet, die typische weiße Halskrause, rote Jacke, Degen und schwarze Stiefel sind lediglich skizzenhaft dargestellt. „Nach Ansicht der Kritiker sind die Musketiere Selbstdarstellungen, Travestien des alten Künstlers, der in die Rolle des Edelmannes und des Abenteurers schlüpft“ (Evelyn Weiss). Zurzeit ist das Gemälde in der großen Picasso-Ausstellung „Picasso. Tradicíon y Vanguardia“ im Prado in Madrid zu sehen. Das Museum Ludwig, welches in diesem Jahr seinen 30. Gründungstag feiert, wir Peter und Irene Ludwig immer in besonderem Maße dankbar verpflichtet sein. Am 22. Juli vor 10 Jahren ist Peter Ludwig gestorben, am 9. Juli wäre er 81 Jahre alt geworden. s. a. Bild der 29. Woche - 16. bis 23. Juli 2001

A. Buchholtz