Bilder einer Ausstellung VIII: Meister im Vergleich

Bild der 37. Woche - 12. bis 18. September 2005

Griechisch, Ikone "Verklärung Christi", um 1600 76,5 x 51 cm, Recklinghausen, Ikonen-Museum
Verteilung der Angesprochenen Werke in der Ausstellung Ansichten Christi

Die Ausstellung "Ansichten Christi" des Wallraf-Richartz-Museums – Fondation Corboud ist selbstverständlich mit einer umfangreichen Website präsent. Über diese hinaus möchte die kleine Serie des Bildes der Woche zusätzliche Aspekte und Zusammenhänge der dort ausgestellten Werke vorstellen bzw. in dieser Folge auf neue Blickwinkel und besondere Vergleichsmöglichkeiten in der Ausstellung hinweisen. Wer die Ausstellung betritt, trifft als erstes auf die fulminante Auferstehung El Grecos aus der Zeit um 1600. El Greco arbeitete zwar hauptsächlich in Spanien, ist jedoch von Geburt her – der Name sagt es bereits – Grieche. Er stammt von der Insel Kreta und erhielt dort vermutlich eine erste Ausbildung in der Ikonenmalerei. Raum VI der Ausstellung zeigt eine griechische Ikone (großes Bild, im rechten Bild: grüne Linie), die nicht nur in ihrem Bildaufbau eine verblüffende Ähnlichkeit mit El Grecos Auferstehung hat (z. B. der ruhige, zentrale Christus gegenüber den umhergeworfenen Personen im unteren Bildteil), in der man auch Stilmerkmale El Grecos wiederentdeckt: den spitzen Nimbus, das Licht ohne konkrete Lichtquelle, die überlangen Proportionen, die Bevorzugung der vorderen Bildebene gegenüber der Raumtiefe, u.a.m. In Teil IV dieser Serie wurde bereits das "Christusporträt" des berühmten Florentiner Malers Frau Angelico erwähnt. Dieses ist sicherlich das im emotionalen Ausdruck stärkste Werk der Ausstellung. Auf welche ikonographische Tradition Frau Angelico zurückgreift, wird sofort sichtbar, wenn man im Durchgang von Raum VII zu Raum I steht und von dort aus auf die Lithographie Strixners nach einem Werk Jan van Eycks sieht (rote Linie): Es ist das Bild des "König der Könige", welches Frau Angelico mit einem Schleier des Leidens überzieht. Beckmanns Kreuzabnahme im Raum IV greift deutlich mittelalterliche Formensprache auf. So erinnert der sperrig ins Bild gesetzte, totenstarre Christuskörper an einen Holzkruzifixus des 14. Jahrhunderts, wie man ihn etwa in Raum VII sehen kann. Die an das Kreuz gelehnte Leiter, welche dem Bild eine Tiefendynamik besonderer Art verleiht, findet sich im gleichen Raum im Bild von Werestschagin wieder, aber auch in Raum VII in der Kopie nach Grünewald (blaue Linie). Im Vergleich mit Werestschagin wird deutlich, daß die Leiter natürlich ein Teil der geschichtlichen Erzählung der Kreuzabnahme ist. Die Leiter der Grünewaldkopie zeigt jedoch auch, wie stark die kompositorische und übertragene Bedeutung dieses Gegenstandes ist.

T. Nagel