Bilder einer Ausstellung II

Bild der 27. Woche - 4. bis 10. Juli 2005

oben links: Adam Elsheimer, Die drei Marien am Grab, um 1603, Kupfer, 25,8 x 20,0 cm, Bonn, Rheinisches Landesmuseum, Inv.-Nr. G.K.68 oben rechts: Fra Angelico,Christus mit der Dornenkrone, um 1450, Tempera und Gold auf Holz, 55 x 39 cm, Livorno, S. Maria del Soccorso unten: Römisch, 4. Jahrhundert, Grabplatte des Florentius mit dem guten Hirten, Marmor, 22,5 x 77 x 2 cm, Vatikan, Vatikanische Museen

In weiten Kreisen der Presse wird die Ausstellung "Ansichten Christi" als "Kirchliche Ausstellung" charakterisiert. Dies ist sicherlich richtig, denn Anlaß der Ausstellung ist der 20. Weltjugendtag in Köln (15. - 21. August) und Kooperationspartner ist der Vatikan. Die Charakterisierung ist jedoch in anderem Sinne falsch, denn die Ausstellung findet in einem Museum statt und nicht in einer Kirche. Das bedeutet, die Objekte kirchlicher Kunst – bis hin zu den als Reliquien oder wirkmächtige Bilder verehrten Werken – sind in "fremder" Umgebung zu sehen. Sie sind damit ihrem originalen Kontext entrissen. Ein Christusbild wird zu einem "Frau Angelico", ein Andachtsbild zu einem "Lucas Cranach". Im Vorwort des Kataloges schreibt Andreas Blühm: "Sowohl die Kirche als auch das Museum wollen beide die Art und Weise der Betrachtung ihrer Bilder beeinflussen, durch Regeln, Rituale und Erklärungen. Letztlich haben beide Institutionen jedoch keine absolute Kontrolle über die Wirkung der Bilder. …. ein Museum sollte meiner Meinung nach die Vielfalt der Betrachtungsweisen selbst fördern." Die hier angesprochene doppelte Ebene der Ausstellung – einerseits in säkularer Umgebung präsentiert und aus Sicht säkularer Wissenschaft konzipiert, andererseits pastoral motiviert und mit Werken der aktuellen Frömmigkeit bestückt – kommt auch im Katalog dadurch zum Ausdruck, daß dieser zwei "Pilgerseiten" enthält. Hier werden klassische Gebete der kirchlichen Geschichte mit Werken der Ausstellung verbunden. Dies kann man pastoral "nutzen", man kann es aber auch als eine andere, vielleicht zu selten genutzte Möglichkeit der Begegnung mit der Kunst betrachten. Hier einige Beispiele: Zum Bild oben links: Maria sage uns an: Was hast du auf dem Weg gesehen? Ich sah das Grab, und Christus sah ich, der lebt! Ich sah das Tuch und die Linnen und sah die Engel, die sagten mir sichere Kunde. Wipo von Burgund (gest. nach 1046), Victimae paschali laudes (Ostersequenz), 3. Strophe Zum Bild oben rechts: O Haupt voll Blut und Wunden, voll Schmerz und voller Hohn, o Haupt, zum Spott gebunden mit einer Dornenkron, o Haupt, sonst schön gekrönet mit höchster Ehr und Zier, jetzt aber frech verhöhnet: gegrüßet seist du mir. Arnulf von Löwen (ca. 1200-1250), Salve, caput cruentatum, 1. Strophe Zur Grabplatte unten: Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen. Er läßt mich lagern auf grünen Auen und führt mich zum Ruheplatz am Wasser. Er stillt mein Verlangen, er leitet mich auf rechten Pfaden, treu seinem Namen. Muß ich auch wandern in finsterer Schlucht, ich fürchte kein Unheil; denn du bist bei mir, dein Stock und dein Stab geben mir Zuversicht. Psalm 23 (22), 1-4

T. Nagel