Die Kölner Loreto-Kapelle

Bild der 36. Woche - 6. bis 12. September 2005

Andenken an das 200 jährige Jubiläum der Errichtung der lauretanischen Kapelle in der Kupfergasse zu Koeln 1675–1875, Chromolithographie von Tony Avenarius, gedr. u. verl. von C. F. Calow, Köln, 1875, 51 x 38 cm, Kölnisches Stadtmuseum
Ausschnitt aus dem gezeigten Blatt

Als der Kölner Kurfürst und Erzbischof Joseph Clemens 1715 die Klosterkirche der unbeschuhten Karmeliterinnen in der Kupfergasse zu Ehren des hl. Joseph (die Kirche erhielt erst mit ihrer Umwidmung zur Pfarrkirche 1803 ein Marienpatrozinium) konsekrierte, befand sich in ihrem Inneren die am 8. September 1675 eingeweihte lauretanische Gnadenkapelle, von der es hieß, sie sei genau nach dem italienischen Vorbild errichtet worden. Pietro di Giorgio di Tolomei, gt. Teramano, Ordensvorsteher an der Almus Domus von Loreto in Süditalien, ließ zwischen 1465 und 1473 in seinem Translationsbericht das marianische Wohnhaus auf wundersame Weise mit englischer Hilfe von Nazareth nach Loreto übertragen. Diese Loreto-Kapelle wurde zum wichtigsten marianischen Pilgerziel des vorrevolutionären Europa. Im 17. Jahrhundert verbreitete sich der Kult um die Santa Casa in ganz Europa und darüber hinaus. Zahlreiche Gnadenbildkopien und Loreto-Kapellen entstanden. Diese sollten denen Schutz und Trost bieten, die selbst nicht an die adriatische Küste reisen konnten. Der Bau der Kölner Loreto-Kapelle, an den dieses 200 Jahre später geschaffenes Blatt von Tony Avenarius erinnert, soll durch Wunderzeichen angeregt worden sein: Die Klosterfrauen vernahmen himmlische Musik und nächtlichen Gesang und beschlossen daraufhin den Bau der Kapelle. Der Stifter dieser Kapelle blieb unbekannt, vermutlich handelt es sich um den unverheirateten Gürtelmacher Lic. iur Johann Jakob Wissius (1619–1688), Ratsherr und zeitweiliger Bürgermeister von Köln. Die Kapelle wurde gleich in der Mitte der einschiffigen Kirche platziert, auf jenen Platz, an dem die himmlische Musik gehört worden war. Vierzig Jahre später erhielt das Heiligtum eine kunstvolle, als Holzschnittarbeit realisierte Ummantelung, deren ikonographisches Programm sich am lauretanischen Vorbild orientierte und Szenen aus dem Marienleben darstellte. Gefertigt wurde sie von den flämischen Bildhauern Johan Frans van Helmont und Jan van Rick zwischen 1715 und 1723. Der Ausschnitt (Bild rechts) zeigt die dem Hochaltar zugewandte Südseite: Auf einer Wolkenbank thront Maria mit dem segnenden Jesuskind auf dem Schoß, im Hintergrund tragen Engel das Haus der Heiligen Familie von Nazareth nach Loreto. Darunter erscheinen die beiden heilig gesprochenen Jesuiten Franz Xaver und Ignatius von Loyola. Ganz oben ist das Doppelwappen des Stifter-Ehepaars angebracht, welches die Holzummantelung finanziert hatte: Anna Elisabeth Reichsgräfin von Limburg Styrum und Johann Graf von Oxenstierna. Zur Santa Casa-Ikonographie gehörte auch die das Haus bekrönende Attika, die im Laufe der Zeit zur Brüstung der Orgelbühne über der Kapelle umgearbeitet wurde. Die Loreto-Kapelle verbrannte Im 2. Weltkrieg, nur das zugehörige Gnadenbild der Schwarzen Muttergottes konnte von einer Schwester gerettet werden.

R. Wagner