Bilder einer Ausstellung IV: Künstlerische Qualität aus dem Kloster

Bild der 30. Woche - 26. Juli bis 1. August 2005

Vision des Hl. Bernhard mit Nonne, frühes 15. Jahrhundert, Federzeichnung mit Wasserfarbe auf Papier, 25 x 18 cm, Köln, Museum Schnütgen, Inv.-Nr. M 340
Verteilung der Angesprochenen Werke in der Ausstellung Ansichten Christi

Die Ausstellung "Ansichten Christi" des Wallraf-Richartz-Museums – Fondation Corboud ist selbstverständlich mit einer umfangreichen Website präsent. Über diese hinaus möchte die kleine Serie des Bildes der Woche zusätzliche Aspekte und Zusammenhänge der dort ausgestellten Werke vorstellen bzw. neue Blickwinkel auf die Ausstellung insgesamt eröffnen. Das Christusbild in der Kunst wird in der Ausstellung durch 92 Werke vermittelt. Neben kirchennahen Künstler werden auch Objekte von Nichtchristen und sogar Atheisten gezeigt. Interessanterweise findet man jedoch auch fünf Werke, die von Ordensmitgliedern geschaffen wurden, von einer Nonne und von vier Mönchen. Beginnen wir mit der leider namentlich unbekannten Nonne: Dieses kleine Blatt (1) ist die blutigste Darstellung der Ausstellung. „Blutig“ darf man jedoch nicht im Sinne von „blutrünstig“ verstehen. Durch das in der Passion und am Kreuz vergossene Blut Christi wurde die Erlösung der Menschen erwirkt. Die Erlösung ist daher nicht nur symbolisch „blutig“, sondern war dies ganz real. Eine uns unbekannte Nonnen eines Niederrheinischen Klosters malte etwa zu Beginn des 15. Jahrhunderts diesen blutüberströmten Christus. Links neben dem Kreuz kniet der Hl. Bernhard, rechts eine Nonne, vielleicht die Malerin selbst. Der Blutstrom berührt nicht die Hände der Dargestellten – ein Hinweis darauf, das es sich bei der Darstellung um eine Vision handelt. Zwar namentlich bekannt, jedoch in seinem künstlerischen Schaffen weitgehend unbekannt ist Fray Juan Bautista de Strambino, ein spanischer Mönch. Er malte 1657 auf feinstes Leinen die Kopie des Turiner Grabtuches (2). Die Farbe wurde dabei nicht auf das Leinen wie auf eine Leinwand aufgetragen, sondern lasierend „in“ den Stoff gemalt. So entstand eine facsimilie-artige Kopie von beeindruckender Ausstrahlung. Der bekannteste Mönchmaler – zugleich wegen seines Werkes heilig gesprochen – ist Fra Angelico (1387 – 1455), der Dominikaner aus Florenz. Sein in natürlicher Größe ausgeführte „Christusporträt“ (3) gehört zu den eindringlichsten Werken der Ausstellung. Man kann sich diesem Bild emotional nicht entziehen. Fra Angelico zeigt den Typ des „Königs der Könige“, den schönen Christus im Brustporträt, bekleidet mit königlichem Gewand. Darüber legt er jedoch eine „Folie“ des Leidens. Die Augen Christi sind blutunterlaufen, der Blick sorgenvoll auf den Betrachter gerichtet. Christus wird unmittelbar lebendig. Fra Filippo Lippi (um 1406 – 1469), Karmelitermönch in Florenz, lernte bei Masaccio, als dieser sein Kloster mit Fresken ausstattete. Später wurde Fra Angelico immer stärker zu seinem Vorbild. Dieser kleine Schmerzensmann (4) fasziniert durch seine sensible und zugleich monumental wirkende Darstellung. Christus steht im Grab, er scheint schon auferstanden zu sein, denn er steht aus eigener Kraft. Sein gesenkter Blick läßt dies noch im ungewissen, es gilt jedoch: das Kreuz ist nur noch Symbol des vergangenen Leidens. Der älteste unter den Mönchsmalern ist Lorenzo Monaco (nachgewiesen 1388 – 1422). Er trat 1391 in das Camaldolenserkloster zu Siena ein. Sein großes künstlerisches Vorbild war Giotto. In quasi heraldischer Formensprache zeigt er in dieser Taufe Jesu (5) die Doppelnatur Christi, also sein Menschsein und sein Gottsein: Zur Hälfte ist Christus von der irdischen Sphäre des Flusses hinterfangen, zur anderen Hälfte vom Gold der himmlischen Welt.

T. Nagel