16. Juli 1985 – Tod eines Nobelpreisträgers

Bild der 28. Woche - 11. bis 17. Juli 2005

Ernst Wille, Heinrich Böll, 1980, Zeitungspapier, gehärtet, auf Leinwand; 63 x 47,5 cm, Kölnisches Stadtmuseum

Zum Andenken an den Kölner Ehrenbürger Heinrich Böll Der Schriftsteller Heinrich Böll und seine Romanfiguren waren Ende der 1970er Jahre ein von Prof. Ernst Wille (Herten 1916–2005 Köln) geschätztes Motiv. Heinrich Böll, 1917 in Köln geboren, begann erste schriftstellerische Versuche schon 1936. Im folgenden Jahr machte er Abitur und begann eine Buchhändlerlehre in Bonn, die er nach 11 Monaten abbrach, um sich nach Ableistung des obligatorischen Arbeitsdienstes an der Kölner Universität zu immatrikulieren. Den Krieg erlebte er von Anfang an als Soldat und kehrte 1945 aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft in ein völlig zerstörtes Köln zurück. Seine ersten Werke erschienen im Friedrich Middelhauve Verlag, darunter 1949 sein Erstling, die Erzählung „Der Zug war pünktlich“. 1951 erhielt er den Preis der Gruppe 47 für die Erzählung „Die schwarzen Schafe“. Seit 1952 war er Autor des Kölner Kiepenheuer & Witsch Verlags. 1967 wurde er mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet, 1971 wählte man ihn zum Präsidenten des interantionalen PEN und 1972 erhielt er den Nobelpreis, nachdem er zuvor ins Visier der deutschen Terroristen-Fahnder geraten war. Der von der katholischen Sozialbewegung stark beeinflusste Heinrich Böll engagierte sich von Anfang an in politischen und sozialen Fragen und scheute auch vor offener Kritik nicht zurück. 1974 nahm er den aus der Sowjetunion ausgewiesenen Dissidenten und Schriftsteller Alexander Solschenizyn bei sich auf, 1980 ließ sich Lew Kopelew nach seiner Ausbürgerung in Köln in der Nähe seines Freundes Böll nieder. 1976 trat Heinrich Böll aus der katholischen Kirche aus. 1980 engagierte er sich für die Friedensbewegung. Nach langen politischen Querelen wurde ihm 1982 die Ehrenbürgerwürde seiner Vaterstadt verliehen. Im gleichen Jahr erhielt er vom Land Nordrhein-Westfalen den Professorentitel. Böll, dem das neue Köln mißfiel, zog sich 1982 nach Bornheim-Merten im Vorgebirge, später nach Langenbroich in der Eifel zurück. Am 16. Juli 1985 starb Böll in Langenbroich. Beigesetzt wurde er auf dem Friedhof von Bornheim-Merten.

R. Wagner