Politik nicht mehr ohne Buch
400 Jahre Ratsbibliothek

Bild der 8. Woche - 18. bis 25. Februar 2002

Ratsprotokoll vom 27. Februar 1602, Historisches Archiv der Stadt Köln (Best. 10 Nr. 51, fol. 291v - 292r)

Am 27. Februar 1602, also vor 400 Jahren erließ der Rat der Stadt Köln "zum Behuf einer Bibliothek" folgenden, im Protokollbuch (s. Bild) festgehaltenen Beschluss: "Uff die guidestags rentcammer soll verurkündet werden, eyn anzall geldts alle Franckfurther missen zo ingeltung etlicher boicher in jure denen zu kommen zo laissen, die van den hern syndici befellicht, specificirte stuck zo behoiff eyner neuwen bibliothece inzogelden. Gestalt dieselbe beharlich zo behoiff des rhaidt bey dem archivo uff dem rhaidthuiss moegen verpleiben." Dies war faktisch die Gründung einer juristisch-politischen Handbibliothek für Rat und städtische Syndici. Wie der Text besagt, umfasste der Bestand hauptsächlich Werke aus den Bereichen der Rechts- und Staatswissenschaften, die vornehmlich auf der Frankfurter Messe erworben wurden. Hinzu kamen historische Quellentexte. Mit der Zeit erhielt die Bibliothek durch Schenkungen und Vermächtnisse auch Büchern aus anderen Fächern. Zudem sollten alle Buchhändler und Drucker in Köln Pflichtexemplare abführen, was aber wohl nicht sonderlich beachtet wurde. Zur Mitte des 17. Jahrhunderts umfasste die Syndikatsbibliothek schon über 800 Nummern. Es ist eine der wenigen Kölner Bibliotheken, die in französischer Zeit kaum Verluste erlitten hat. Im Jahr 1824 ergab eine Zählung 1.040 Nummern in 1.817 Bänden. Einen großen Zuwachs erfuhr die städtische Bibliothek in eben diesem Jahr 1824 durch das Vermächtnis von Ferdinand Franz Wallraf. Dessen Bibliothek umfasste nahezu alle wissenschaftlichen Gebiete; einzigartig waren die Druckwerke zur rheinischen und besonders zur kölnischen Geschichte. Sie bestand aus 521 Handschriften, 1.055 alten Drucken und 13.248 weiteren Druckwerken. Damit wandelte sich der Charakter der städtischen Bibliothek: Sie war nun eine vielseitige öffentliche Bibliothek. Es geschah in der Folgezeit aber nicht nur wenig für die Vermehrung des städtischen Bücherbestands, sondern es gelang nicht einmal, die alten Bestände vor Verlusten zu bewahren. Wie seit Beginn ihrer Existenz blieb der Bibliothek ein eigener Bau versagt. Zunächst hatte man sie im Ratsturm untergebracht. Im 19. Jahrhundert waren ihre Bestände auf alle Rathausbauten verteilt - ein Umstand, der zusammen mit einer täglichen Öffnungszeit von 10 - 12 Uhr nicht eben förderlich war für die öffentliche Benützung der städtischen Bücherbestände. 1875 - 1877 endlich konnte an der Portalsgasse nach Plänen des Stadtbaumeisters Hermann Weyer ein eigener Bau errichtet werden. 1885 wurde die Stadtbibliothek, die auf 35.000 Bände angewachsen war, mit der Bibliothek des Kölner Gymnasial- und Stiftungsfonds, die besonders die Bibliotheken der alten Gymnasien und etwa 40.000 Bände umfasste, vereinigt. In den nächsten Jahren vermehrte sich der Bestand so rasch, dass ein größeres Gebäude nötig wurde. 1897 zog die Bibliothek in den Neubau am Gereonskloster (heute residiert dort die Bibliothek des Gerling-Konzerns) um. Als 1919 die Universität neu gegründet wurde, führte man die wissenschaftlichen Bibliotheken Kölns - die Stadt- und Gymnasialbibliothek, die der Handelshochschule sowie die der Akademie für praktische Medizin - aus Kostengründen zusammen, die Neugründung einer eigenen Universitätsbibliothek hätte sich die Stadt Köln nicht leisten können. So kommt es, das die noch vorhandenen 1.434 Bände der Syndikatsbibliothek heute von der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln verwahrt werden.

R. Wagner