Das Wallraf-Richartz-Museums zieht in das neue Gebäude am Gürzenich.

Bild der 48. Woche - 27. November bis 3. Dezember 2000

Bilder des Umzuges. Das Kölner Wallraf-Richartz-Museum verläßt das Doppelmuseum am Dom und zieht in den Neubau am Gürzenich. Fotos: Ch. Frohnert
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Der inzwischen sog. 'Altbau' des Wallraf-Richartz-Museums an der Bischofsgartenstraße bietet in diesen Tagen ein ungewöhnliches Bild: Ein Großteil der ehemaligen Galerieräume wird bereits vom Museum Ludwig bespielt und in wenigen verbliebenen Räumen des WRM befinden sich noch eine geringe Zahl von Kunstwerken des Galeriebestandes, welche nach monatelanger Vorbereitung in Zusammenarbeit mit einem Kunstspediteur in Kisten verpackt werden. Kunstwerke stellen auf besondere Weise vielleicht die sensibelsten Indikatoren für Klimaschwankungen und Vibrationen dar. Jede Bewegung ist riskant und wird nur unter der Aufsicht von Restauratoren ausgeführt. Den Risiken eines solchen Transports wird begegnet, indem für jedes Objekt - entsprechend der vielschichtigen Materialanforderungen, des Erhaltungszustandes und der Größe - individuelle Verpackungs- und Transportlösungen gefunden werden. In der Praxis bedeutet dieses, dass die Gemälde in der Regel aufrecht in Klimakisten maßgerecht, druck- und spannungsfrei verpackt und in Fahrtrichtung des LKW's transportiert werden. Klimakisten sind speziell konstruierte Kisten, die aufgrund ihrer Verarbeitung und inneren Verschalung - bei vorheriger klimatischer Konditionierung-, ein Mikroklima in der Kiste bis zu 24 Stunden stabil halten können (Bild unten links). Die sogenannten Varioklimakisten können darüber hinaus optimal an die Maße des Kunstwerkes angepasst werden können (s. mittleres Bild).Die möglichen Schwingungen und Stöße während des kurzen Transports im LKW werden durch Gummipuffer aufgefangen und somit die Amplituden der Schwingungen bis zu 80 % reduziert. Wie auf den Aufnahmen links zu sehen, mussten drei Gemälde aufgrund ihrer Größe mit einem Spezialkran in 'Schräglage' direkt durch die geöffneten Fenster der neuen Galerieräume transportiert werden. Jedes Kunstwerk wird rückseitig mit einer Strichcodierung versehen, welche in Kombination mit der Strichcodierung der entsprechenden Kistennummer, der Codierung des transportierenden LKW's und dem Transportzeitpunkt eingescannt wird (s. Bild rechts Mitte). Bei Ankunft im Neubau werden diese Daten ebenfalls elektronisch erfasst und überprüft und auf ihre Richtigkeit hin ausgewertet. Der Umzugsprozess - die Bewegung der Kunstwerke - ist grundsätzlich eine ungewöhnliche Situation für ein Museum, dessen tragende Säulen das Sammeln, das Bewahren, das Erhalten und das Erforschen sind. Die Restauratoren beschäftigen sich im Wesentlichen mit den Zeugnissen der Vergangenheit, aber sie tun es für die Zukunft. Ein besonderer Moment für den Restaurator, der die Gegenwart eher als den zu konservierenden Übergang von der Vergangenheit in die Zukunft sieht, nicht so sehr als das einzig und eigentlich Reale. - Oder doch?

Ch. Frohnert