Ein Kölner durch und durch

Bild der 41. Woche - 9. bis 16. Oktober 2000

Aus der Sammlung De Noël: Überbauschrank, Köln 17. Jh., Museum für Angewandte Kunst - Elfenbeinrelief mit Marientod, Deutsch 11. Jh., Schnütgen-Museum - Matthias Joseph de Noël, Selbstbildnis um 1820, Kölnisches Stadtmuseum.

Eigentlich hätte ihm durch Wallrafs Testament eine Dienstwohnung zugestanden. Aber was hieß schon 'eigentlich'. Von den 18 Jahren als faktischer und offizieller Museumsdirektor des ersten Kölner Museums hatte er schließlich auch die ersten 8 Jahre ehrenamtlich, nur mit versprochenem Gehalt arbeiten müssen. Jetzt war er 60 Jahre alt. Der tägliche Fußweg von seinem Wohnhaus zum Museumsgebäude, dem sogenannten Kölnischen Hof, vom elterlichen Geschäft in der Königstraße neben St. Maria im Kapitol bis zur Trankgasse hinterm Dom, war ihm immer beschwerlicher geworden. Nicht nur die gesundheitlichen Problemen spielten hier eine Rolle, es waren vor allem die Anfeindungen gegen seine Amtsführung als Konservator, der Streit mit der städtischen Verwaltung und deren Dienstwegformalismus, die ihm die Freude an seiner Aufgabe verleideten. Hatte er nicht auch um der Sache willen fünf gerade sein lassen, als sein zugesagtes Gehalt nicht genehmigt wurde? Resignation bestimmte nicht erst seit den deutlichen Rücktrittsaufforderungen seine Haltung. In den langen Jahren war es ihm immer weniger gelungen, Hilfen gegen den baulichen Verfall des Museums zu erhalten. So wollte er sich von der Stadt nicht weiter behandeln lassen. Am 28. Dezember 1842 reichte Matthias Joseph de Noël seinen Rücktritt als erster Direktor des Städtischen Museums von Köln ein, des heutigen Wallraf-Richartz-Museums. Sofort nach Bekanntwerden des Rücktritts setzte im Stadtrat eine intensive Beratschlagung über die Nachfolge ein. De Noël blieb zwar Mitglied der Museumskommission, wandte sich jedoch einem neuen Lebensabschnitt zu. Er heiratete die nicht unvermögende Witwe Maria Juliane Brewer, deren Haus unmittelbar neben dem Museum lag. Hatte er sich bisher als Maler, Zeichner, Mitgründer des organisierten Karnevals, wissenschaftlicher Autor und Dichter einen Namen gemacht, so widmete er sich nun - finanziell abgesichert - intensiv seinem neuen Tätigkeitsgebiet, dem Sammeln. Hier trat er in die Fußstapfen seines Lehrers und väterlichen Freundes Ferdinand Franz Wallraf. Wie dieser schöpfte er zunächst aus dem reichen Fundus der säkularisierten Kölner Kirchen. Doch im Gegensatz zu Wallraf sammelte De Noël zunehmend selektiv und konzentrierte sich schließlich auf das Kunstgewerbe. Auch wenn er Antiken und Gemälde zu seiner Sammlung zählte, so war er nicht auf eine Universalsammlung Wallrafscher Prägung aus. Als er am 18. November 1849 starb, zeigte sich, wie sehr dieser 1782 als Sohn eines Tabakhändlers und Warenmaklers in Köln geborene seiner Heimatstadt verbunden war. Er verfügte, dass seine Sammlung nicht versteigert werden und in der Stadt verbleiben sollte. Von seiner Witwe der Stadt übergeben, wurde seine Kunstgewerbesammlung zum Grundstock des 1888 gegründeten Museums für Angewandte Kunst und bereicherte die Sammlungen des Wallraf-Richartz-Museums, des Kölnischen Stadtmuseums (gegründet 1888) und des Schnütgen-Museums (gegründet 1919). Auf seinem Totenzettel hieß es über Matthias Joseph de Noël: Begabt mit einem vorzüglichen Schönheitssinne, hat er durch emsige Forschungen im Gebiete der Kunst und der Alterthumskunde, durch eifrige Bemühungen zur Erhaltung ihrer Kunstgegenstände und Denkwürdigkeiten sich um seine Vaterstadt verdient gemacht.

T. Nagel