"Topfschlagen" auf indonesische Art

Bild der 19. Woche - 8. bis 15. Mai 2000

Musikunterricht im Rautenstrauch-Joest-Museum, Köln Foto: B. Sahrmann

Um dies gleich klarzustellen: hier sind keine Kochtöpfe gemeint! Vielmehr geht es um bronzene Töpfe, auch Kesselgongs genannt, die zu den im Rautenstrauch-Joest-Museum ausgestellten Gamelan-Instrumenten aus Java gehören. Geschlagen werden die jedoch auch, und dabei entstehen wunderschöne, exotische Klänge. Gong, kempul, kenong, kethuk, saron, kendhang, bonang - so lauten die klangvollen Namen der Gamelan-Instrumente. Das Rautenstrauch-Joest-Museum besitzt seit Ende 1997 einen um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert angefertigten Gamelan aus Zentraljava. Die Instrumente sind ausgestellt, und sie dürfen und sollen auch gespielt werden. Das reichdekorierte Gamelan stammt aus der zentraljavanischen Fürstenstadt Surakarta. Es umfaßt insgesamt rund vierzig gut erhaltene und gestimmte Instrumente darunter neben den genannten Instrumenten auch Becken, Zimbeln, Metallophone, eine Stehgeige und zwei Zithern. Viele der Instrumente sind in den beiden auf Java verbreiteten Tonsystemen slendro und pelog vorhanden. Das Klangspektrum umfaßt bis zu sieben Oktaven; alle Stimmen entwickeln sich selbständig und linear ohne akkordische Bindung. Wesentliche Förderung erfuhr die Gamelanmusik unter den vom 8. bis zum 10. Jahrhundert auf Zentraljava herrschenden Mataram-Königen. Hofmusikanten pflegten das komplexe Zusammenspiel auf den verschiedenen Instrumenten bei festlichen Anlässen in den Palästen. Gamelanmusiker begleiteten mit ihren Instrumenten die über Land ziehenden Schattenspieler, die ihre Kunst auf Bestellung vornehmlich anläßlich von Festen im Lebenszyklus darbieten. Bis heute ist die traditionelle Gamelanmusik in Indonesien sehr lebendig; zudem wird sie an den staatlichen Konservatorien mit neuen Strömungen konfrontiert und weiterentwickelt. Die Kölner Gamelan-Gruppe Kyai Sangu, die sich ihren Namen in Anlehnung an das Instrumenten-Set gegeben hat, probt - wie bereits an dieser Stelle erwähnt - weiterhin regelmäßig im Museum. Zuhörer sind bei der öffentlichen Probe an jedem letzten Sonntag im Monat, 11.00 - 13.00 Uhr, herzlich willkommen. Dazu hat sich eine weitere Gruppe gesellt, in der Studenten der Musikethnologie unter der Leitung von Prof. Rüdiger Schumacher spielen. Probenzeit ist dienstags vormittags, 10.00 - 12.00 Uhr. Auch hier sind Zuhörer willkommen. Neu ist ein umfangreiches museumspädagogisches Angebot, das Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen sowie Schulklassen (Klasse 3 bis 13) die Möglichkeit gibt, die Gamelan-Instrumente auszuprobieren und zu erlernen (unser Bild). Die Kurse werden von der erfahrenen Musikpädagogin und Gamelan-Lehrerin Bettina Sahrmann geleitet, die das Gamelan-Spiel auf Java gelernt hat. Die Teilnehmer spielen traditionelle javanische Musikstücke und sie spielen frei, nach eigenen musikalischen Regeln. Die Workshops richten sich sowohl an musikalisch erfahrene Menschen als auch an Laien, denn die verschiedenen Instrumente eines Gamelan stellen an die Spieler ganz unterschiedliche Anforderungen. Freude am Spiel in der Gruppe, genaues Hinhören, das man beim Gamelan-Spielen aber auch lernen kann, ein gutes Gefühl für Rhythmus und Aufgeschlossenheit für eine fremde Musikkultur sind gute Voraussetzungen für eine Teilnahme an den Kursen.

B. Sahrmann