Stars der Sternengasse

Bild der 18. Woche - 1. bis 8. Mai 2000

linker Bildteil: Ausschnitt aus: Arnold Mercator, Die Stadt Köln in Vogelansicht von Nordosten, 1571, Kupferstich Kölnisches Stadtmuseum, KSM 1984/857; rechter Bildteil: Hyacinth Rigaud, Everhard III. Jabach, Öl auf Leinwand, 58,5 x 47 cm, Wallraf-Richartz-Museum, Köln, WRM 1066

Die Sternengasse im Zentrum der Kölner Altstadt erhielt ihren seit der Mitte des 13. Jahrhunderts bezeugten Namen vermutlich von dem Haus zum goldenen Stern, welches am Anfang der Straße lag (Hausnummer 3). Anfang des 14. Jahrhunderts wurde ein weiteres Haus dieser Straße zum Stern genannt. Diesen Bezug der Sternengasse zu den Sternen über die Hausnamen kann man um einen weiteren Sternenbezug ergänzen: über die Stars, die in der Sternengasse wohnten. Als erstes wäre hier zu nennen, dass der 1577 in Siegen geborene Peter Paul Rubens seine Kindheit von seinem ersten bis zum 10. Lebensjahr im Haus Sternengasse Nr. 10 verbrachte. Im gleichen Haus wie Rubens, dem Hof des Grafen Groensfeld, erhielt 1641 die von Richelieu aus Paris vertriebene Maria von Medici, Mutter König Ludwigs XIII., durch den Rat der Stadt Köln eine Wohnung zugewiesen. Hier starb sie im Juli des nächsten Jahres. Am 26. März 1778 trat abends um fünf Uhr der siebenjährige Ludwig van Beethoven zu einem seiner ersten Konzerte als Pianist im Saal von Haus Sternengasse Nr. 12 auf, dem Haus der Schumachergaffel. An diesem Ort veranstaltete die musikalische Akademie von Köln zur damaligen Zeit Konzerte. Man kann diese Aufzählung von bekannten Namen, die mit der Sternengasse verbunden sind fortsetzen. So betrieb die Schwester des in Köln geborenen Pariser Rokokomalers Johann Anton de Peters in Haus Nr. 24 einen Kunst- und Musikalienladen. So wurde zwei Häuser daneben 1844 der Maler Wilhelm Leibl geboren, Sohn des in der Sternenstraße 24 wohnenden Domkapellmeister Carl Leibl. Der größte mit der Sternengasse verbundene Name war jedoch derjenige des Everhard III. Jabach (s. Bild). Seit 1554 besaß die Pelzhändlerfamilie Jabach in der Sternengasse 25 ein großes Anwesen, welches 1596/98 einen viel beachteten Neubau erhielt. Everhard III. wurde 1618 als Sohn Everhard II. Jabach in Köln geboren. 1638 verlegte er den Sitz des Familienunternehmens nach Paris, stieg dort zum Direktor der Ostindischen Compagnie auf, wurde Direktor der Königlichen Manufaktur und millionenschwerer Bankier. Die Bindung an Köln blieb trotz der Entfernung bestehen. So reiste seine Frau Anna Maria (aus der Kölner Familie De Groote) vor jeder Geburt ihrer Kinder nach Köln, damit der Spross der Familie ein gebürtiger Kölner werden konnte. Das Interesse an der zeitgenössischen Kunst, das bereits sein Vater durch einen Auftrag an Peter Paul Rubens unter Beweis gestellt hatte, verband Everhard III. zusätzlich mit einer Sammelleidenschaft. Als im Jahre 1650 in London die Kunstsammlung des englischen Königs Karl I. versteigert wurde, war der 32jährige Everhard Jabach einer der Hauptbieter. Im Laufe der Jahre gelang es Everhard, eine der bedeutensten Kunstsammlungen seiner Zeit zusammenzutragen. Als er schließlich 20 Jahre später aus finanziellen Gründen gezwungen war, diese zu verkaufen, wurde die Sammlung von 101 Gemälden und 5542 graphischen Blättern der größten Meister zum Grundstock für den Kunstbesitz des Louvre. Das hier gezeigte Gemälde von Hyacinthe Rigaud (1659-1743) ist eines von vielen Porträts, die Everhard Jabach bei den Malern seiner Zeit in Auftrag gab (z. B. bei Anthonius van Dyck, Peter Lely, Charles Lebrun, u.a.). Rigaud wird es um 1688 in Paris gemalt haben, zu einer Zeit, als er bereits d e r Porträtist der höchsten gesellschaftlichen Kreise geworden war. Die bereits im Mittelalter gepflasterten Sternengasse verband die Straße Unter Pfannenschläger (heute Teil der Hohe Straße) mit der Kirche St. Peter. Heute ist die Sternengasse wegen der fast vollständige Zerstörung der Gebäude im 2. Weltkrieg und wegen der Zerteilung durch die Nord-Süd-Fahrt ihrer geschichtlichen Anknüpfungspunkte beraubt.

T. Nagel