Begegnung mit den Königen

Bild der 1. Woche - 3. bis 10. Januar 2000

Meister von St. Severin - Anbetung der Könige, um 1505, Wallraf-Richartz-Museum, Köln, WRM 184, 118 x 203 cm

Das hier gezeigte Thema der Anbetung des Christuskindes durch die Heiligen Drei Könige gehörte in der Kölner Malerei des Mittelalters zu den sehr oft dargestellten Themen. Wen wunderts - besaß die Stadt nicht nur die Gebeine dieser heiligen Männer sondern hatte diese auch zu ihren Schutzheiligen erhoben und ins Stadtwappen aufgenommen. Am 6. Januar, dem Fest der Heiligen Drei Könige, stehen sie in Köln mit der Öffnung des Schreines und dem Festgottesdienst im Dom wieder real im Mittelpunkt des Interesses. Der Maler dieses prächtigen Bildes, der Meister von St. Severin, hatte auch ein reales Bild der Männer vor Augen. Königlicher Prunk in Kleidung, Insignien, Schmuck und Gefolge prägen das Bild. Gleichzeitig nähern sich diese hohen Männer dem Kind, dem wahren König der Welt, in demütiger Haltung, entsprechend dem Bewußtsein, dass alles Königtum sich nur von Gott her legitimieren kann. Diese Haltung wurde zumindest immer beschworen, wenn Könige nach Köln zum Grab der drei heiligen Könige kamen. Wenn der Maler in der Darstellung der drei heiligen Könige auch die traditionellen, das Geschehen ausdeutenden Themen der drei Alter (jung, mittel und alt) und der drei Kontinente (Europa, Asien, Afrika) mit einbezog, so ist es nicht vorstellbar, dass es in diesem Bild nur um ein theologisches Thema ging. So werden bei dem Auftrag zu diesem Bild im Bewußtsein des Stifterehepaares Christian Conreshem und Hylgin Pastor (in den Bildecken links und rechts kniend) auch die im Dom begrabenen, real existierenden Gebeinen der Männern eine Rolle gespielt haben. Ein wenig können wir dieses Empfinden nachvollziehen, wenn durch wissenschaftliche Untersuchungen und auf Indizien gründende Thesen unsere Annahme, bei den Weisen aus dem Morgenland handele es sich um eine fromme Erfindung, ins Wanken gerät. So zeigten Untersuchungen, dass die Gebeine im Kölner Dom in Tücher eingeschlagen sind, welche aus dem 1. Jahrhundert stammen und Blütenpollen von Pflanzen aus Palästina tragen. Neue Berechnungen zum Stern von Bethlehem, den bereits Johannes Kepler 1604 als dreifache Konjunktion von Jupiter und Saturn beschrieb, haben diese Deutung und ihre Übereinstimmung mit dem biblischen Berichte bestätigt. Darüber hinaus wurden babylonische Schriftdokumente (im Britischen Museum, London, BM 34659, 34614 und 35429) entziffert, welche die Entdeckung dieser Konjunktion durch babylonische Sternkundige belegen. Jupiter war in Babylon Sinnbild für den obersten Gott, Saturn Sinnbild für den israelitischen König und die Konjunktion vollzog sich im Sternbild Fische, welches nach babylonischer Deutung dem Land Palästina zuzuordnen war. Der König von Babylon sollte den Sternen nach dem neugeborenen König von Israel begegnen. Selbst die zeitlichen Abstände von mehreren Monaten zwischen den drei Konjunktionen sind groß genug, um die Anreise aus dem fernen Babylon nach Jerusalem und Bethlehem in diesem Kontext möglich zu machen. Computerberechnungen zeigen, dass die beiden Planeten von Babylon aus gesehen in Richtung Jerusalem zogen und von Jerusalem aus in Richtung Bethlehem. Ob wir skeptisch bleiben oder nicht, die Pracht und die ursprüngliche Wirkung dieses Bildes können wir erst richtig verstehen, wenn wir uns auf die Drei Könige als ebenso reale Personen einlassen wie auf die Stifter und den unbekannten Maler dieses Bildes von etwa 1505, welches heute im Kölner Wallraf-Richartz-Museum zu sehen ist. Der biblische Text zu den Heiligen Drei Königen: Matthäus Kap. 2, 1-12: Als nun Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Betlehem in Judäa geboren worden war, kamen Magier aus dem Morgenland nach Jerusalem und fragten: "Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern im Aufgang gesehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen." Als der König Herodes dies hörte, erschrak er und ganz Jerusalem mit ihm. Er versammelte alle Hohepriester und Schriftgelehrten des Volkes und suchte von ihnen zu erfahren, wo der Messias geboren werde. Sie aber sprachen zu ihm: "Zu Bethlehem in Judäa, denn so steht geschrieben durch die Propheten: Und du, Bethlehem, im Lande Juda, keineswegs bist du der geringste unter den Fürstensitzen Judas; denn aus dir wird hervorgehen ein Führer, der leiten wird mein Volk Israel" (Buch Micha 5,1). Da berief Herodes die Magier heimlich zu sich und erforschte von ihnen genau die Zeit der Erscheinung des Sternes. Dann sandte er sie nach Bethlehem und sprach: Geht hin und forscht genau nach dem Kinde, und habt ihr es gefunden, so laßt mich es wissen, damit auch ich komme und ihm huldige". Sie hörten den König an, zogen fort, und siehe, der Stern, den sie im Aufgang gesehen hatten, ging vor ihnen her, bis er ankam und stehenblieb über dem Ort, wo das Kind war. Da sie den Stern sahen, hatten sie eine übergroße Freude. Sie gingen in das Haus, fanden das Kind mit Maria, seiner Mutter, fielen nieder und huldigten ihm. Sie taten auch ihre Schätze auf und brachten ihm Geschenke dar: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Und als sie im Traum die Weisung erhielten, nicht zu Herodes zurückzukehren, zogen sie auf einem anderen Weg heim in ihr Land.

T. Nagel