Edelsteinschneider im römischen Köln

Bild der 50. Woche - 13. bis 20. Dezember 1999

Messer mit Achatgriff. Gesamtlänge: 12,2 cm. Länge des Griffs: 6,8 cm. Römisch-Germanisches Museum, Köln, Inv. 68,59.5.
 

Als Bild der Woche wurde ein kostbares Meisterwerk der römischen Kleinkunst ausgewählt, das zu den Glanzstücken des Römisch-Germanischen Museums der Stadt Köln zählt. Es handelt sich um ein Messer mit eiserner Klinge, goldenem Heft und einem figürlichen Griff aus weißlich-braunem Schichtachat: In einem Kelch aus Akanthusblättern liegt die Figur eines Panthers, der mit seinem Maul und den Vordertatzen den Kopf eines Kalbs packt. Das ungewöhnliche Werkzeug wurde im April 1968 bei Ausschachtungsarbeiten an der Bachemerstraße in Köln-Lindenthal gefunden. Es gehörte zum Grabinventar einer wohlhabenden jungen Frau, die hier im späten 3. Jahrhundert n. Chr. in einem Kalksteinsarkophag beigesetzt worden war. Zu den Beigaben zählten mehrere Gefäße aus Glas und Keramik, ein Fingerring, ein Armreif und eine Halskette aus Gold, sowie ein schlanker Achatbecher (s. kleines Bild). In unmittelbarer Nähe fanden sich zwei weitere, zum Teil ebenfalls sehr reich ausgestattete Gräber. Angesichts der Lage des Friedhofs im westlichen Vorfeld der römischen Stadt vermutet man, daß er ehemals den Bewohnern einer noch nicht lokalisierten Villa als Bestattungsplatz diente. Das schon aus der Kunst des Alten Orients bekannte Motiv des Raubtiers, das sich auf seine Beute stürzt, hat innerhalb der mittelmeerischen Kunst eine lange Tradition. Neben sogenannten Tierjagdgruppen gibt es auch Darstellungen, bei denen die Gestalt des Beutetiers allein auf den Kopf reduziert ist. Die engsten motivischen Entsprechungen finden sich an bronzenen Schlüsselgriffen, die besonders in Nordfrankreich sowie den römisch besetzten Teilen Germaniens und der Schweiz weit verbreitet waren. Da der Meister des Kölner Messergriffs bei seiner Arbeit offensichtlich solche Werke als direkte Vorlage benutzte, dürfte auch er in dieser Region gearbeitet haben. Man könnte sich vorstellen, daß die Kaiser des Gallischen Sonderreiches (ca. 259 - 273 n. Chr.) außer Bildhauern, Münzschneidern und anderen Künstlern und Kunsthandwerkern auch Edelsteinschleifer und Gemmenschneider an ihren Hof holten. Das kostbare Messer aus Köln-Lindenthal wirft ein helles Licht auf das Kunstschaffen in jener kurzen Episode der Geschichte als das römische Rheinland unter Kaiser Postumus und seinen Nachfolgern mehr als nur Provinz war.

N. Franken