Der Mann im Hintergrund

Bild der 49. Woche - 6. bis 13. Dezember 1999

Matteo di Giovanni di Bartolo - Madonna mit Kind und den Heiligen Nikolaus und Antonius von Padua, um 1490, 58 x 40 cm, ehemals Wallraf-Richartz-Museum, Köln

Im heutigen Bild der Woche soll es nicht um die im Vordergrund dargestellte Gottesmutter mit Jesuskind gehen, auch wenn die Art der Darstellung und die Gestik des Kindes interessante Anhaltspunkte liefern würden. Vielmehr soll das Bild eines der Heiligen aus dem Hintergrund in den Vordergrund gestellt werden, eines Heiligen, der in diesen Tagen und besonders in dieser Woche in aller Munde ist. Zunächst einige Informationen zu diesem Gemälde selbst. Dieses vermutlich durch die Farben Gold (Hintergrund) und Blau (Mantel Mariens) dominierte und um 1490 entstandene Gemälde des italienischen Malers Matteo di Giovanni di Bartolo (um 1430-1495) wurde 1867 aus der umfangreichen Sammlung italienischer Malerei des Kölners Johann Anton Ramboux für das Wallraf-Richartz-Museum in Köln erworben. Im Jahre 1923 wurde es aus heute nicht mehr nachvollziehbaren Gründen verkauft. Eine letzte Spur des Gemäldes findet sich Ende der 60er Jahre im Londoner Kunsthandel. Wenden wir uns wieder dem Bildthema zu. Es geht um den Heiligen links im Bild, den streng oder besorgt dreinblickenden heiligen Nikolaus von Myra, den Nikolaus, dessen Festtag wir am Montag dieser Woche feiern (rechts steht der Heilige Antonius von Padua). Nikolaus war in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts Bischof von Myra (Lykien, Südküste Kleinasien) und hinterließ dort wohl einen seinen Tod am 6. Dezember 342 oder 347 überdauernden nachhaltigen Eindruck. Seit dem 6. Jahrhundert kann man seine Verehrung in Myra nachweisen. Von Kleinasien breitete sich sein Kult nach Europa aus. Im 9. Jahrhundert wurde ihm eine Kirche in Rom geweiht und durch die Förderung der Kaiserin Theophanu verbreitete sich seine Verehrung im 10. Jahrhundert in Deutschland, Frankreich und England. Im Jahre 1087 kam er dann selbst nach Europa: Kaufleute brachten seine Gebeine von Myra nach Bari in Süditalien. Dass die Nikolaus-Kathedrale in Bari direkt am Meer liegt, ist kein Zufall. Der Heilige Nikolaus ist u. a. der Schutzpatron der Schiffer und Fischer, weil er der Legende nach Schiffe aus Seenot rettete. Um das Leben dieses im Westen und Osten nach Maria am meisten verehrten Heiligen ranken sich weitere, zahlreiche Legenden. So soll er drei Jungfrauen vor der Unehre bewahrt haben, indem er für deren Heiratsausstattung nachts drei goldene Kugeln in ihr Zimmer warf. Auf unserem Bild ist er mit diesen drei Kugeln dargestellt. Ferner soll Nikolaus drei getötete Schüler wieder zum Leben erweckt und die Hinrichtung dreier unschuldig Verurteilter verhindert haben. Auffallend bei diesen Legenden ist die immer wiederkehrende Anzahl der Geretteten: Drei. Auch in der Legende seiner Zeitgenossin und Landsmännin, der heiligen Barbara (Fest 4. 12.), spielt die Zahl Drei eine wichtige Rolle (sie ließ drei Fenster in ihren Gefängnisturm brechen). In dieser Zahl lebt das Wissen um ein Ereignis weiter, welches zur Zeit des Heiligen und in erreichbarer Nähe zu seiner Bischofsstadt stattfand: Das Konzil von Nicäa (Kleinasien) im Jahre 325, die durch Kaiser Konstantin einberufene Versammlung christlicher Bischöfe. Das Hauptthema dieses Konzils war die Dreifaltigkeit Gottes: Ein Gott in drei Personen. Nikolaus könnte Teilnehmer dieses Konzils gewesen sein.

T. Nagel